Wie der Anstieg von 1,05 auf 1,08 einzuordnen ist
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Wie der Anstieg von 1,05 auf 1,08 einzuordnen ist

Wechselkurs Euro - Schweizer Franken 2017-2020 (Liniendiagramm)

Vor drei Jahren kletterte der Eurokurs von 1,07 auf 1,10 Franken. Es war der Auftakt einer Aufwärtsbewegung, die im April 2018 bei 1,20 gipfeln sollte. Wie stehen die Chancen, dass selbiges noch einmal passiert. Welche Parallelen zum aktuellen Anstieg von 1,05 auf 1,08 gibt es? Was sind die Unterschiede?

Damals wie heute war die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Einsatz. Sie stemmte sich gegen eine aus ihrer Sicht übermäßige und daher ungerechtfertigte Flucht in den von Anlegern als Sicheren Hafen wahrgenommenen Franken. Und da wären wir schon bei einer weiteren Gemeinsamkeit: Der Stimmung.
  • Im FrĂĽhjahr 2017 ist die Stimmung in der Eurozone eingetrĂĽbt. Es stehen Wahlen in den Niederlanden und Frankreich an. Die EU-feindlichen Kräfte liegen laut Meinungsumfragen sehr gut im Rennen.
  • 2020 drĂĽckt die Corona-Pandemie den Euro-Franken-Kurs nach unten.

Beide Male kommt es zu einem plötzlichen Stimmungsumschwung. 2017 war der Auslöser die Wahl des EU-freundlichen französischen Präsidenten Macron. 2020 rührt der Umschwung von sinkenden Corona-Infektionszahlen und einem EU-Wiederaufbaufonds her. Beide Male beendet der Euro abrupt seine Talfahrt gegenüber dem Schweizer Franken. Es folgen steile Anstiege.

Abnutzungserscheinungen


"Trotz der Neuverschuldung steht der Schweizer Staat im Vergleich zu den meisten anderen OECD-Ländern finanziell deutlich besser da", heißt es in einem aktuellen Kommentar der Schaffhauser Kantonalbank. Eine Entwicklung wie 2018, als der Euro auf 1,20 Franken stieg, schließt die Bank aus.

Vielmehr werde der Schweizer Franken laut der Schaffhauser Kantonalbank "weiterhin zur Aufwertung tendieren." Und so rechnet das Geldhaus auf Sicht von zwölf Monaten mit einem Rückgang des Euro von aktuell 1,08 auf 1,06 Franken.

Der EU-Wiederaufbaufonds ist aus der Sicht des deutschen Star-Ökonomen Hans-Werner Sinn kein Heilsbringer: "Die Mittel werden vor allem für Verstaatlichungen von nicht mehr wettbewerbsfähigen Unternehmen und für die Rettung der Gläubigerbanken verwendet werden. Von Wiederaufbau kann nicht die Rede sein", sagt der frühere ifo-Chef dem Magazin "Fonds Professionell".

Wegen solchen Abnutzungserscheinungen wird die Eurozonen-Wirtschaft nicht dieselbe Konjunkturdynamik entfalten können wie 2017/18. Der Eurokurs ist folglich nicht imstande erneut auf 1,20 Franken zu steigen.