Die Schweizer Einkaufstouristen sind zurück
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Die Schweizer Einkaufstouristen sind zurück

Der Euro hat einen mittleren Wochenverlust davongetragen, und so sank der EUR/CHF-Kurs von 1,0710 auf 1,0640. Die Frankenaufwertung zusammen mit den Grenzöffnungen geben dem vom Schweizer Einkaufstouristen stark abhängigen Einzelhandel in Süddeutschland einen Schub. Franken-Fremdwährungskreditnehmer konzentrieren sich auf den Wechselkurs. Ein Anstieg der Schweizer Zinsen ist vom Tisch.

Zwischen Mitte März und Mitte Juni 2020 konnten Schweizer Einkaufstouristen in den Landkreisen Konstanz, Lörrach und Waldshut nicht einkaufen. Das führte zu Umsatzrückgängen auf der deutschen Seite zwischen 30 und 60 Prozent. "Viele Händler fürchten um ihre Existenz, sollten die Grenzen zur Schweiz nicht bald wieder vollständig geöffnet werden", sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee, Claudius Marx. (dpa)

Inzwischen sind die Grenzen wieder offen. Die Schweizer Einkaufstouristen lockt auch die jüngste Wechselkursentwicklung an. Als der Euro zwischen Mitte März und Mitte Mai wochenlang bei 1,05 war, konnten sie wegen den geschlossenen Grenzen nicht in Deutschland einkaufen. Aktuell zieht es den Euro-Franken-Kurs nach einem kurzen Anstieg Anfang Juni auf 1,09 wieder runter.

Und so könnten die Einkaufstouristen in den kommenden Wochen erneut die Gelegenheit haben zum einem Eurokurs von 1,05 Franken einzukaufen. Bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bereitet man sich auf einen erneutes Absinken des Euros vor. "Wir sind bereit stärker zu intervenieren", sagte Notenbankchef Thomas Jordan nach der geldpolitischen Sitzung am Donnerstag.

Gleichzeitig signalisiert der oberste Währungshüter der Schweiz, dass eine Leitzinserhöhung nicht in Frage kommt. Vielmehr dürfte die SNB sogar ihren Leitzins (aktuell: -0,75%) weiter senken. "In jedem Fall ist für die nächsten Jahre jegliche Zinserhöhung ausgeschlossen", zitiert Reuters die Expertin Charlotte de Montpellier von der ING Bank.

Franken-Kredite


Die für Österreichs Franken-Kreditnehmer relevanten Schweizer Zinssätze, der CHF 1-Monats-Libor und der CHF 3-Monats-Libor, werden somit tief im negativen Terrain bleiben. Wer in einen Euro-Kredit konvertiert, hätte hingegen Zinsen zu bezahlen. Bei einem Euro-Fixzinskredit mit einer Laufzeit von zehn Jahren muss man mit 1% und mehr rechnen.

Umgekehrt wäre es töricht, an einem Franken-Kredit ohne Zinsbelastung festzuhalten, während der Euro-Franken-Kurs Richtung Parität purzelt. Anfang Juni 2020 kletterte der Eurokurs auf ein 6-Monatshoch bei 1,0915 Franken. Dieser Anstieg war absehbar. Er war eine gute Gelegenheit in einen Euro-Kredit zu konvertieren.

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"Wenn wir von Jahren sprechen, dann geht die Reise wahrscheinlich Richtung Parität", sagt UBS-Chefökonom Daniel Kalt im Interview mit cash.ch. Unter den Auguren gibt es eine Tendenz ihre Heimatwährung, also die Währung, in der sie auch bezahlt werden, zu unterstützen. Die Schweizer Experten rechnen mit einem starken Franken. Ihre Kollegen aus Österreich und Deutschland unterstützen hingegen oft den Euro.