Aufwertung des Schweizer Frankens freien Lauf lassen
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Aufwertung des Schweizer Frankens freien Lauf lassen

In den nächsten zehn Monaten geht es um die Parität und eine Billion Franken: Die Bedeutung von runden Zahlen nimmt zu, als ihre Magnetwirkung auf den Euro-Franken-Kurs immer größer wird.

Für 1 Euro gibt es aktuell 1,06 Franken. Damit liegt die Devisennotierung über dem 5-Jahrestief bei 1,0498 vom 18. Mai 2020. Mit der jüngsten Erholung des Euros lässt der Devisenmarkt die Schweizerische Nationalbank (SNB) jedoch keinesfalls vom Haken.

Die Schweizer Wirtschaft habe sich in den letzten 30 Jahren an die konstante Aufwertung des Frankens gewöhnt, sagt UBS-Chef Sergio Ermotti der "Financial Times". Daraus lässt sich ableiten: Man wird auch mit 1 Euro = 1 Franken (Parität) zurechtkommen.

Zwischen dem aktuellen Euro-Franken-Kurs von 1,06 und der Parität stehen 200 Milliarden Franken. Soviel kann die SNB noch drucken, bis sie die Billionengrenze erreicht. Weil die SNB der Aufwertung des Frankens keinen freien Lauf lassen will, steigen die Devisenreserven immer weiter.
Die Entwicklung der Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) 2012-2020


Sollte der Franken 1,05 pro Euro durchbrechen, könnte er "leicht" in Richtung 1,02 pro Euro gehen. Das sagt Jeremy Stretch, Leiter für Devisen-Research bei der Canadian Imperial Bank of Commerce in London, laut Bloomberg. Ferner weist Stretch daraufhin:

"Märkte mögen nichts mehr als über runde Zahlen zu sprechen, und zwar so sehr, dass es ein sich selbst verstärkender Prozess werden kann."

Pumpt die SNB jeden Monat 20 Milliarden Franken in den Euro, dann hat sie ihre Devisenreserven bis März 2021 auf eine Billion Franken aufgebläht. Das wäre dann knapp doppelt so hoch wie das Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP).

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Wie man bereits in den letzten Monaten gesehen hat, kann die SNB mit ihren Euro-Stützungskäufen die Talfahrt des Euro-Franken-Kurses nicht stoppen, sondern nur verlangsamen. Die große Gefahr aus der Sicht der SNB und auch von Franken-Fremdwährungskreditnehmern ist die folgende:

Je näher die Parität rückt, umso stärker wird die von dieser runden Zahl ausgehende Magentwirkung. Die Anzahl von Marktteilnehmern, die auf einen sinkenden Wechselkurs wetten (z. B. Hedgefonds) oder aber sich gegen ihn absichern (z. B. Schweizer Exporteure mit Euro-Umsatzerlösen) nimmt zu.

Der Euro gerät nun in einen Abwärtsstrudel. 2017 war die Lage ähnlich. Damals ging es für den Eurokurs um die Marke bei 1,06 Franken. Seinerzeit war es nicht die SNB, die die Gemeinschaftswährung vor dem Absaufen rettete. Es war der Konjunkturaufschwung in der Eurozone.
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