Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld
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Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld

Der Euro hat einen Anstieg auf den höchsten Stand seit einem Monat abgebrochen und fordert damit aufs Neue die Schweizerische Nationalbank (SNB) heraus. Die Haushalts-Falken im Berner Bundesrat lassen keinen Zweifel aufkommen: Trotz Corona-Pandemie und Mehrausgaben bleiben die Staatsfinanzen grundsolide. Das sieht in der Eurozone anders aus.

In Br√ľssel ist man noch dabei die Konjunkturhilfen zusammenzustellen und in z√§hen Verhandlungen den EU-Haushalt aufzustocken. Die Schweiz ist schon zwei Schritte weiter. Die Rettungsma√ünahmen funktionierten vorbildlich: "Darauf k√∂nnen wir stolz sein", sagt der fr√ľhere SNB-Chef Philipp Hildebrand der "NZZ am Sonntag".

W√§hrend die staatlichen Hilfsgelder zielgenau und p√ľnktlich flie√üen, er√∂rtert die Berner Regierung bereits, wie sie die zus√§tzlichen Schulden abbauen will. Sollte es nicht schnell genug gehen von den Corona-Pandemie-Verbindlichkeiten in den kommenden 25 Jahren runterzukommen, werde man einen fixen Anteil des j√§hrlichen Haushalts f√ľr den Schuldenabbau reservieren. Das sagt Finanzminister Ueli Maurer der "Neuen Z√ľrcher Zeitung".

Der Ausblick einer grundsoliden Fiskalpolitik macht den Job der SNB, den Euro √ľber 1,05 Franken zu halten, nicht einfacher. Ferner zeigt sich ein starker Kontrast zur Eurozone. Von den Regierungen in Paris, Rom und Madrid ist v√∂llig undenkbar, dass sie sich zum Schuldenabbau bekennen. Frankreich und Italien kamen das letzte Mal Ende der 1960er-Jahre ohne neue Schulden aus.

An den Finanzm√§rkten rechnet man inzwischen fest damit, dass die Europ√§ische Zentralbank (EZB) bis Sommer ihr Corona-Anleihenkaufprogramm um 500 Milliarden Euro auf 1,25 Billionen Euro aufstocken wird. Das ist notwendig, damit die Euro-S√ľdstaaten neue Schulden aufnehmen k√∂nnen und ihre bereits vor der Corona-Pandemie hohe Schuldenst√§nde durch die Ausgabe neuer Papier leichter √ľberrollen k√∂nnen.

S√§ulendiagramm Staatsschulden zu BIP Entwicklung bis 2020 Deutschland, Schweiz, √Ėsterreich, Frankreich

Der Euro ist auch nicht der US-Dollar: Weil die Amerikaner die unangefochtene Reservewährung haben, kommen sie mit hohen Staatsschulden davon. Der Euro ist dagegen im Ausland nicht sonderlich beliebt. Die politische Unsicherheit, die den Euro umringt, wird nicht kleiner. Nächstes Jahr endet die Amtszeit von Angela Merkel.

Die deutsche Kanzlerin ist der letzte Akteur auf der politischen B√ľhne, der den Euro noch einigerma√üen glaubw√ľrdig erscheinen l√§sst. Das hilft vor allem in Nordamerika und Asien. Wenn Merkel weg ist, besteht die Gefahr, dass sich Anleger aus diesen Regionen im gro√üen Stil aus dem Euro verabschieden.