EUR/CHF-Ausblick: Zeit Alarm zu schlagen
Home » » EUR/CHF-Ausblick: Zeit Alarm zu schlagen

EUR/CHF-Ausblick: Zeit Alarm zu schlagen

Kerzenchart sinkende EUR/CHF-Kursentwicklung zu Zeiten der Corona-Pandemie

Der Euro trägt einen weiteren Wochenverlust davon, und so sinkt der EUR/CHF-Kurs bis auf 1,0520. Die Anzeichen verdichten sich, dass die Devisennotierung aus diesem Tal nicht so schnell, vielleicht sogar nie mehr, rauskommt.

"Unsere Prognose für die Jahresmitte lautet auf EURCHF 1,0800", heißt es im aktuellen Ausblick von Raiffeisen Salzburg. Diese Prognosen könnte sich als zu hoch angesetzt herausstellen. Die Eurozone ächzt unter der Corona-Pandemie stärker als die Schweiz

Die Schweizer Wirtschaft wird den Experten des Bundesrats in diesem Jahr um 1,5% schrumpfen. Dieser Rückgang dürfte aber nicht ausreichen, um den Franken abzuschwächen. Tatsächlich kämen die Eidgenossen und Eidgenossinnen recht glimpflich davon.

Deutschlands Wirtschaft könnte in diesem Jahr bei größeren Produktionseinschränkungen um 6% schrumpfen, warnt Ifo-Präsident Clemens Fuest. Einige Ökonomen befürchten sogar einen der größten Konjunktureinbrüche in der Nachkriegszeit von bis zu 9%.

Die Corona-Hochburgen Italien und Spanien dürften kaum glimpflicher davonkommen. Frankreichs Wirtschaft könnte wegen ihres stärkeren Binnenkonsum etwas besser abschneiden und "nur" ein Minus von 3-5% verzeichnen.

Weil der Zinsvorteil gerade wegschmolz, wird ein Anstieg des Euros noch unwahrscheinlicher. Ferner hat sich die Stimmung am Devisenoptionsmarkt eingetrĂĽbt. Die Risk Reversals sind merklich negativ, was noch tiefere EUR/CHF-Kurse signalisiert.

Ausblick


Die Eurozone kommt wegen der Corona-Pandemie stärker unter die Räder als die Schweiz. Darüber hinaus signalisiert die sich wie ein Kaugummi ziehende Talfahrt des EUR/CHF-Kurses:
  • Marktteilnehmer rechnen mit einer schnelleren Erholung der Schweiz, alsbald das erste Licht am Ende des Tunnels (Impfstoffentwicklung, Medikament) sichtbar wird.

  • Die Eurozone ist bis auf wenige Ausnahmen (z. B. Estland) recht rĂĽckständig, veränderungsfeindlich und technologieablehnend: Sie wird einen Turnaround, wie ihn SĂĽdkorea per Smartphone-App, Drive-In-Testzentren, Geo-Lokalisierung von Corona-Infizierten und Warnungen vor Ansteckungsherden vorgemacht hat, nicht hinbekommen.

  • Hier spielt auch der hohe EU-Datenschutz eine Rolle: Er dĂĽrfte dazu beitragen, dass die Eurozone im Vergleich zu Asien und Amerika bei der Bewältigung der Pandemie deutlich langsamer vorankommt. Die Schweiz könnte den Datenschutz hingegen etwas flexibler auslegen.