SNB-Jordan stößt EUR/CHF ungewollt Dolch in Rücken
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SNB-Jordan stößt EUR/CHF ungewollt Dolch in Rücken

Der Schweizer Notenbankchef schießt ein Eigentor, und so fällt der Eurokurs auf glatt 1,07 Franken. Das ist eine neue Tiefstmarke – der niedrigste Stand seit April 2017. Der Grund für den starken Franken liegt in der Anleger-Mentalität der Schweizer.

Das US-Finanzministerium hat die Schweiz vor kurzem als potenziellen Währungsmanipulator eingestuft. Gleichzeitig ließ Trump China von dieser Liste streichen. Hintergrund ist das Zustandekommens des ersten Teilabkommens zwischen den USA und China.

Thomas Jordan, Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB), geht nun in die Offensive. Dass die USA die Schweiz als potenziellen Währungsmanipulator einstuften, berühre nicht die Fähigkeit der SNB am Devisenmarkt zu intervenieren, sagt Jordan im Gespräch mit CNBC.

Devisenmarkt an Jordan: Setzen, sechs!


Was den Devisenmarkt angeht, so schießt sich Jordan ein Eigentor. Jeder weiß: Die USA sitzen am längeren Hebel. Der EUR/CHF-Kurs ignoriert daher, dass der SNB-Chef frische Interventions-Euros ins Schaufenster legt.

Man manipuliere keine Wechselkurse. Der Schweizer Franken sei immer noch hoch bewertet, erklärt Jordan ferner. Erstgenanntes ist eine Definitionssache: In G7 und OECD besteht Einigkeit darin, dass die freien Marktkräfte – nicht staatliche Notenbanken – Wechselkurse bestimmen.

Objektiv betrachtet kann man insofern von einer gewissen Manipulation sprechen. Denn die Schweiz hält sich nicht an die Regeln ihrer wichtigsten Handelspartner. Wer den Begriff Manipulation nicht mag, kann auch von Wechselkurspflege sprechen.

Zweitens: Der Schweizer Franken ist zwar hoch bewertet. Der US-Dollar und viele andere Währungen sind aber auch hoch bewertet. Und hier greifen Notenbanken nicht ein. Von einem vermeintlichen Überbewertung die Notwendigkeit für Devisenmarktinterventionen abzuleiten, läuft also ins Leere.

Es ist einer über 100 Jahre alten Notenbank unwürdig, wie der hochdekorierte Wirtschaftsprofessor Jordan argumentiert. Jeder angehende Abiturient kann die Argumentation des SNB-Chefs zerpflücken.

Devisenhändlern stufen Jordans Kommentare als Ausdruck von Hilflosigkeit ein. Sie schlussfolgern: Der Schweizer Franken ist nicht zu stark, sondern eher zu schwach. Ein Grund dafür: Das Wirtschaftswachstum der Schweiz ist ein halbes Prozent höher als in der Eurozone.

Schweizer meiden Eurozone


Ferner wertet der Schweizer Franken auf, weil die Bereitschaft von Jordans Landsleuten Geld in der Eurozone anzulegen, extrem gering ist. Die Lage ist völlig anders als 2007. Damals stieg der Euro auf 1,68 Franken. Die Schweizer investieren wie verrückt in der Eurozone.

Die Schweiz sei Opfer von ausländischen Kapitalzuflüssen. Anleger flüchteten in den als Sicheren Hafen wahrgenommenen Franken. Dadurch sei die eidgenössische Währung zu hoch bewertet, sagen SNB-Offizielle in regelmäßigen Abständen.

Auch diese Argument ist zum Teil auf Sand gebaut. Es stimmt schon, dass der Franken bei geopolitischen Unsicherheiten gesucht wird. Seine Aufwertungsschübe halten sich aber in Grenzen und werden vom Devisenmarkt in der Regel wieder rückgängig gemacht.

Entscheidend für die Frankenstärke sind nicht Kapitalzuflüsse aus dem Ausland, sondern die Mentalität der Schweizer Anleger. Sie meiden den Euroraum. Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern: Deutschland, Frankreich, Italien und Co. bauen zu 100% auf die Notenpresse. Sie haben zwei frühere Finanzminister an der EZB-Spitze installiert.

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