Euro schließt tiefer – Franken ist gefragt
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Euro schließt tiefer – Franken ist gefragt


Schweizer Exportunternehmen bringen ihre Schäfchen ins Trockene, weshalb am Devisenmarkt die Nachfrage für den Franken steigt. Der Euro wird aller Voraussicht nach im Dezember zum ersten Mal seit zwei Monaten einen Verlust gegenüber dem Schweizer Franken einfahren.

Für 1 Euro gibt es aktuell 1,0880 Franken. Ob bis Jahresende noch etwas nach oben geht, darf bezweifelt werden. Anfang Dezember brachte der Euro 1,1030 Franken auf die Waage.

Der Franken profitiere aktuell von Fremdwährungsverkäufen Schweizer Exportunternehmen, schreibt die auf den Schweizer Mittelstand ausgerichtete Valiant Bank in einem Devisenkommentar.

Dabei bringen Unternehmen ihre Euro-Umsatzerlöse zurück in die Schweiz. Hintergrund ist der Bilanzstichtag 31.12.2019. Die Schweizer Exporteure gehen damit auf Nummer sicher. Besser jetzt die Euros umtauschen. 2020 könnte der EUR/CHF-Kurs weiter fallen und man bekäme weniger.

Sehr gefährlich


Es braucht nur ein Fingerschnipp der EZB, und der EUR/CHF-Kurs taucht ab. Hintergrund ist das letzte große Draghi-Lockerungspaket vom September. Der Italiener boxte die Wiederaufnahme der Staatsanleihen-Käufe (QE2/QE unendlich) durch.

Ferner hat Draghi aus der Sicht der Euro-Fans etwas sehr Gemeines getan: QE2 darf erst beendet werden, wenn die EZB unmittelbar vor einer Zinserhöhung steht. QE1 konnte noch ohne eine parallel dazu stattfindenden Leitzinserhöhungen auslaufen.

Nun kommt die Forward Guidance ins Spiel: Sie wird von der EZB genutzt, um ihre künftigen geldpolitischen Absichten mit Blick auf die Leitzinshöhe zu kommunizieren. Die Forward Guidance (Leitzinserhöhungen) wird seit Jahren nach hinten verschoben.

Aktueller Stand: Die EZB-Leitzinsen bleiben auf ihrem derzeitigen Niveau, bis es starke Anzeichen für einen Inflationsanstieg gibt. Bleibt der Teuerungs-Schub aus, was sehr wahrscheinlich ist, können die Zinsen demzufolge nicht steigen.

Und das ist wiederum ein Freibrief für die EZB ihre Staatsfinanzierung über die Notenpresse permanent laufen zu lassen. Der Euro leidet unter QE2. Das führt dazu, dass er sich gegenüber dem Schweizer Franken abschwächt.

Die asymmetrische Interpretation von Inflationsdaten – ebenfalls ein Schmankerl Draghis – macht die Sache noch schwieriger. Wenn die Inflation sinkt, dann schießen sofort Spekulationen über weitere EZB-Lockerungen ins Kraut.

Steigt die Teuerung in der Eurozone, so wird das hingegen als "vorübergehend" abgetan. Um mit QE weitermachen zu können, verweisen die Euro-Notenbanker dann gerne auf höhere Energie/Ölpreise und auf eine kaum veränderte Kernteuerung.

Die neue EZB-Chefin Christine Lagarde muss lediglich vor einem Inflationsrückgang warnen, und die Dominos fallen: Die Finanzmärkte verschieben die Erwartungen an eine erste EZB-Leitzinserhöhung noch weiter nach hinten. QE2 wird automatisch verlängert und der Euro weiter verwässert.
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