Mr. Franken sieht Euro auf 1,06 sinken
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Mr. Franken sieht Euro auf 1,06 sinken

Noch gibt es für den Euro 1,10 Franken. 2020 werden es laut St.Galler Kantonalbank nurmehr 1,06 sein. Bereits im laufenden Jahr hat sich der Euro um 2,3% abgeschwächt. Anfang 2019 war die Devisennotierung bei 1,1250. Kommt es nun zu einer mehrjährigen Abwärtsbewegung? Muss man davon ausgehen, dass der Euro von 2021 bis 2025 noch tiefer fällt?

"Ich sehe den Euro-Franken-Kurs in einem Jahr bei 1,06", sagt Thomas Stucki, Anlagechef der St.Galler Kantonalbank, dem Schweizer Börsenportal "cash.ch". Das Vertrauen der Finanzmärkte in die Eurozone sei nach wie vor gering. "Bei Schwierigkeiten wird immer wieder die Frage gestellt, ob etwa Italien oder Spanien die Schulden zurückbezahlten könnten."

Stucki war früher als leitender Angestellter bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) tätig. Er dürfte daher recht gut einschätzen können, ab welchem Kursniveau die SNB Euro-Stützungskäufe durchführt. Seine Prognose legt nahe, dass sich die SNB raushalten wird, solange die Abwärtsbewegung des Euro-Franken-Kurses einigermaßen geordnet vonstatten geht.

Das ist insofern von Bedeutung, als viele Devisenexperten mit einem Eingreifen der SNB rechnen, sollte der Euro unter 1,08 Franken fallen. Auf dieser Annahme werden dann optimistische Euro-Prognosen konstruiert. In den vergangenen Jahren war es so, dass vor allem die deutschen Devisenexperten ihre Vorhersagen für den EUR/CHF-Kurs deutlich zu hoch ansetzten.

Weiterlesen: EUR/CHF-Prognosen 2020 sortiert nach Ländern

Aus Macro-Sicht ist ein stärkerer Franken notwendig, als er den überhitzenden Schweizer Aktienmarkt etwas abkühlen würde. Ferner gilt es den Dollar-Franken-Kurs (USD/CHF) im Auge zu behalten. Der steht aktuell auf Parität. Da war er auch schon im Frühjahr 2008. Wegen überbordenden US-Staatsschulden, einem saftigen Handelsbilanzdefizit und einer höheren US-Inflation im Vergleich zur Schweiz gibt es massiven Korrekturbedarf.

Franken mit Nachholbedarf


Dass USD/CHF aktuell auf dem Stand von vor elf Jahren notiert, ist für den US-Dollar äußerst schmeichelhaft. Die höheren US-Zinsen und das robuste Wirtschaftswachstum haben den Dollar bisher gerettet. Allerdings ist die US-Notenbank (Fed) dabei die Zinsen zu senken. Sie wird 2020 die Geldpolitik weiter lockern müssen, weil die Wirkung von Trumps Steuersenkungen weg ist.

Ferner schieben die von Demokraten und Republikanern im US-Kongress beschlossene massiven Ausgabenprogrammen nicht länger die US-Konjunktur an. Die Fed muss also wieder ran. Die SNB kann und wird nur wiederwillig ihre Geldpolitik lockern. Die Fed hat hingegen recht viel Spielraum. Und daher muss der Dollar-Franken-Kurs runter.

Der Dollar wird sich auch gegenüber dem Euro abschwächen müssen. Allerdings nicht so sehr wie gegenüber dem Schweizer Franken. Auch hier spielt die Geldpolitik die entscheidende Rolle.

Die EZB könne ihr Programm zum Ankauf von Vermögenswerten ausweiten, wenn sich die Wirtschaftslage im Euroraum erheblich verschlechtere, sagte unlängst Estlands EZB-Mitglied Madis Müller. Er verwies auf Schweizerische Nationalbank (SNB) und Bank von Japan (BoJ). Beide würden eine noch aggressivere Geldpolitik verfolgen als die EZB.

Ein Blick auf die sehr langfristige Kursentwicklung zeigt: Der Euro-Franken-Kurs hat gerade einen zehnjährigen Zyklus, der mit der Weltfinanzkrise begann, beendet. Er ist in einen neuen Zyklus übergetreten. Das bedeutet: Eine mehrjährige Abwärtsbewegung des EUR/CHF-Kurses ist in der Pipeline. Erst in den letzten Jahren des Zyklus (ca. 2026) dürfte sich der Euro etwas erholen.

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