Franken-Kredite: Ernüchterung macht sich breit
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Franken-Kredite: Ernüchterung macht sich breit

Zinsentwicklungen CHF 3-Monats-Libor und 3-Monats-Euribor 2005-2019

2005:
Ein Bankkunde braucht im Jahr 2005 einen Kredit in Höhe von 200.000 Euro, um ein Hauskauf zu finanzieren. Die Bank gibt grünes Licht. Sie stellt ihm ein Zinsaufschlag von 0,6% in Aussicht. Der 3-Monats-Euribor liegt seinerzeit bei 2,1%, der CHF 3-Monats-Libor bei 0,8%. Der Bankkunde entscheidet sich wegen den niedrigeren Zinsen für einen Franken-Kredit mit einer Laufzeit von 20 Jahren.

Der Euro-Franken-Kurs notiert bei 1,55. Da werde schon nichts passieren, sagt ihm der Kreditvermittler, und so fokussiert sich der Bankkunde auf die Zinsersparnis. Seine Kalkulation: Er zahlt 1,3% weniger Zinsen gegenüber einer Euro-Finanzierung. Jährliche Ersparnis: 2.600 Euro, Gesamtersparnis über 20 Jahre bis zum Laufzeitende: 52.000 Euro.

"Seit dem Höhepunkt des Fremdwährungskredit-Booms 2008 hat der Schweizer Franken um 49% aufgewertet. Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten, wie sie derzeit vor uns liegen, sind in der Regel von starken Schwankungen der Wechselkurse begleitet. Dementsprechend ist auch weiterhin mit einer schwierigen Entwicklung im Schweizer Franken zu rechnen."

Helmut Ettl, Klaus Kumpfmüller Vorstände Finanzmarktaufsicht (FMA)


2019:
Der Euro-Franken-Kurs sank im Zuge der Weltfinanzkrise und der Euro-Schuldenkrise sturzbachartig. Für 1 Euro gibt es aktuell nur noch 1,10 Franken. Anstatt 200.000 Euro muss der Bankkunde 282.000 Euro zurückzahlen. Wechselkursverlust: 82.000 Euro.

Bei der Zinsersparnis geht es sich auch nicht aus. Statt der geplanten 1,3% pro Jahr, liegt sie im Mittel bei 0,9%. Bleibt es dabei, dann summieren sich die gegenüber einer Euro-Finanzierung eingesparten Zinsen nicht wie geplant auf 52.000 Euro, sondern auf 36.000 Euro. Das wären 18.000 Euro weniger als kalkuliert.

Der voraussichtliche Gesamtschaden des Franken-Kredits beläuft sich damit auf 100.000 Euro: 82.000 Euro Wechselkursverlust plus 18.000 Euro weniger Zinsersparnis.


Fazit:
Der ein oder andere Franken-Kreditnehmer schenkt sich selbst kein reinen Wein ein. Es wird dann oft darauf verwiesen, dass man wegen dem negativen CHF-Libor trotz Zinsaufschlag keine Zinsen mehr bezahle.

Nun ist es aber so: Der 3-Monats-Euribor liegt aktuell bei -0,41%. Bei einem Zinsaufschlag von 0,60% würde obiger Bankkunde lediglich 0,19% Zinsen, also 380 Euro pro Jahr, bezahlen.

Hätte er sich einst für eine Euro-Finanzierung entschieden, käme er somit auch in den Genuss von negativen Zinsen. Einen Wechselkursverlust gäbe es dann freilich nicht.
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