Staatsanleihenkäufe für IMMER: Euro kurz vor 30-Monatstief
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Staatsanleihenkäufe für IMMER: Euro kurz vor 30-Monatstief

Der Euro-Franken-Kurs steht kurz davor auf den tiefsten Stand seit dem politischen Frühling in der EU abzutauchen. Die Wiederaufnahme des Ankaufs von Staatsanleihen kristallisiert sich als treibende Kraft hinter der Abschwächung heraus. Dadurch drohe die Trennlinie zwischen Geldpolitik und Fiskalpolitik zu verschwimmen, kritisiert Bundesbankchef Jens Weidmann. Italien Haushaltsplanungen und Wachstumsprognosen haben wohl auch deshalb wieder einmal Science-Fiction-Qualität.

Der Euro-Franken-Kurs notiert aktuell bei 1,0840. Bei 1,0810 ist eine wichtige Unterstützung. Bricht sie, ist ein Abstieg auf 1,06-1,07 vorgezeichnet. Hier befindet sich der Ausgangspunkt der Euro-Rallye. Sie startete als die Franzosen davon absahen, die Euro-Gegnerin Le Pen zu ihrer Präsidentin zu wählen. Aktuell ähnelt die charttechnische Lage der zwischen September 2018 und Juni 2019. Seinerzeit gab es ein Tauziehen um die Unterstützung bei 1,1170. Das gewannen schließlich die Gegner des Euro.

EUR/CHF-Kurs grafisch dargestellt mit wichtigen Unterstützungs- und Widerstandslinien

"Dabei sehe ich vor allem die Wiederaufnahme der Nettokäufe von Wertpapieren kritisch", sagt Weidmann. Ab November wird die EZB pro Monat vor allem Staatsanleihen in Höhe von 20 Milliarden Euro erwerben. Die Käufe sollen erst gestoppt werden, wenn die EZB kurz vor einer Zinserhöhung steht. Es gibt allerdings große Zweifel daran, ob die EZB jemals wieder die Zinsen erhöhen kann. Draghi hat die Eurozone japanisiert, sprich: Null- und Negativzinsen sind dauerhaft.

Damit werden die Anleihenkäufe zum zentralen Instrument. Sollte die Eurozone 2020 in eine Rezession abgleiten, ginge die EZB mit den Käufen auf 80-100 Milliarden Euro hoch, um gegenzuhalten. Ist die Rezession überstanden, nimmt man die Käufe im Zeitlupentempo auf 20-40 Milliarden Euro zurück, bis der nächste Wirtschaftsabschwung kommt. Vor diesem Hintergrund ist auch der überraschende Rücktritt der deutschen EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger verständlich.

Sie räumt ihren Posten wohl auch, weil sie unter der nächsten EZB-Chefin Christine Lagarde keine Änderung der Geldpolitik erwartet. Lagarde wird den Draghi-Kurs fortsetzen, ihn aber der Öffentlichkeit besser verkaufen und den Falken wie Weidmann und Holzmann einige Quick Wins gestatten. Das EZB-Ei bleibt aber faul. Daran wird auch die Französin mit ihren hohe diplomatischen Fähigkeiten nichts ändern wollen. Es gibt eine unumkehrbare Staatsfinanzierung über die Notenpresse. Die Eurozone ähnelt in dieser Hinsicht Ländern wie Venezuela und Simbabwe.

Italiens Haushaltsdefizit werde dieses Jahre bei 2-2,4% liegen, sagt Wirtschaftsminister Roberto Gualtieri dem Fernsehsender RAI. Für 2021 rechne die Regierung laut Reuters-Informationen mit einem Rückgang der Neuverschuldung auf 1,8% und für 2022 auf 1,4%. Das Wirtschaftswachstum werde bis dahin auf ein Prozent steigen. Dass diese Ziele erreicht werden, ist in etwa so wahrscheinlich wie, dass Italien dreimal hintereinander die Fußball-Weltmeisterschaft gewinnt.
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