Fahrplan zur Franken-Parität: 2021 ist es soweit
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Fahrplan zur Franken-Parität: 2021 ist es soweit

"Der Franken geh√∂rt in diesem Jahr zu den Gewinnern der W√§hrungswelt. Er hat in diesem Monat ein Zweijahreshoch gegen√ľber dem Euro erreicht", berichtet der Finanzdienst "Bloomberg". Ein tr√ľber Ausblick f√ľr Europa, Handelsstreitigkeiten und der Brexit sorgten f√ľr eine steigende Nachfrage nach Sicheren H√§fen. "W√§hrungsh√§ndler k√∂nnten gr√ľnes Licht haben, um den Franken nach oben zu treiben, nachdem die Schweizerische Nationalbank es unterlassen hat, sich der Lockerungspolitik der globalen Zentralbanken anzuschlie√üen", hei√üt es in dem Artikel.

Am 4. September 2019 war der Euro auf 1,0810 Franken gesunken. Das war der tiefste Stand seit Mai 2017. Anschlie√üend konnte sich die Gemeinschaftsw√§hrung erholen. Sie kletterte bis zur viertelj√§hrlichen Sitzung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am 19. September 2019 auf 1,1010. Weil die SNB ihr Pulver trocken hielt, indem sie von einer Einlagenzinssenkung absah, fiel der EUR/CHF-Kurs zuletzt wieder zur√ľck. Die Schweizer W√§hrungsh√ľter sahen Handlungsbedarf, weil das eine Woche zuvor von der EZB beschlossene Lockerungspaket kleiner ausfiel als erwartet.

Deviseninterventionen


Der Japanische Yen hat sich in den letzten Tagen ebenfalls warmgelaufen. Auch der Bank von Japan ist die St√§rke ihrer W√§hrung ein Dorn im Auge. Offizielle Devisenmarktinterventionen zur Abschw√§chung des Yen sind allerdings ein rotes Tuch f√ľr die W√§hrungsh√ľter. Anders als die SNB kann die Bank von Japan nicht heimlich intervenieren. Sie ist an einen G7-Beschluss gebunden, solche "Spielchen" am Devisenmarkt zu unterlassen. Es gibt aber eine andere M√∂glichkeit.

Die riesigen japanischen Pensionsfonds k√∂nnten ihre K√§ufe von ausl√§ndischen Verm√∂genswerten vorziehen und so die St√§rke des Yen im Zaum halten, berichtet die "Financial Times". Diese dicken Finanz-Wale w√ľrden dann vor allem mehr US-Aktien und US-Anleihen kaufen. Ein vergleichbares Modell f√ľr die Schweiz tr√§gt nicht. Dazu m√ľssten die staatlichen Pensionsfonds ihre Investitionen in Anleihen und Aktien aus der Eurozone noch einmal deutlich aufstocken.

Das d√ľrften die Schweizer Pensionfonds aber nicht tun. Hintergrund: Selbst auf bonit√§tschwache Staatsanleihen von Eurol√§ndern wie Spanien gibt es kaum noch Zinsen. Dar√ľber hinaus sind die Aktienm√§rkte aus der Eurozone nicht besonders interessant, auch wenn private Verm√∂gensverwalter gebetsm√ľhlenartig vorbeten, dass viele Aktien unterbewertet seien. Und so muss die SNB weiter den Job √ľbernehmen Euros zu kaufen und sie in den ertragsschachen Anleihe- und Aktienm√§rkte der Eurozone zu recyceln. Damit bindet man die Risiken den Schweizer Steuerzahlern ans Bein.

SNB-Offizielle signalisieren zwar stets ihre Bereitschaft die Bilanzsumme durch Devisenmarktinterventionen auf ein ein Billion Franken und mehr aufzubl√§hen. Hierbei k√∂nnte es sich aber erneut um einen Bluff handeln. Es ist wahnsinnig, immer wieder den gleichen Fehler zu machen und ein anderes Ergebnis zu erwarten. Die SNB scheiterte schon einmal mit Devisenmarktinterventionen. Anfang 2015 musste sie zugeben, dass die Euro-St√ľtzgrenze bei 1,20 Franken auf Sand gebaut war.

EUR/CHF-Ausblick 2021:
  • Aktuell besteht keine unmittelbare Gefahr einer raschen Abschw√§chung des Euros gegen√ľber dem Schweizer Franken. Die Lage in der Eurozone ist einigerma√üen stabil. Das j√ľngste EZB-Lockerungspaket ist zwar recht klein. Es d√ľrfte allerdings das Wachstum der Eurozone in den n√§chsten zwei Quartalen um etwa 0,2% erh√∂hen.
  • Mitte 2020 k√∂nnten die Eurol√§nder Konjunkturprogramme auf Pump fahren. Die EZB hat die Staatsanleihen-Zinsen noch einmal deutlich gesenkt und das Ganze mit einem unbegrenzten Anleihenkaufprogramm (QE2) mit einem Kaufvolumen von 20 Milliarden Euro garniert. Es gibt also Spielraum f√ľr Ausgabenprogramme, nicht nur in Deutschland.
  • Die Konjunkturprogramme verpuffen bis Mitte 2021. Mit ihnen lassen sich die strukturellen Probleme der tr√§gen Eurozonen-Wirtschaft nicht beheben. Die EZB √ľbernimmt wieder, in dem sie mit QE2 auf bis zu 100 Milliarden Euro pro Monat hochgeht und das Helikoptergeld macht. Jetzt ist es an der Zeit f√ľr 1 Euro = 1 Franken.

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