Neuer Mindestkurs möglich
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Neuer Mindestkurs möglich

Für den Euro gibt es zwischenzeitlich keine 1,09 Franken mehr. Der EUR/CHF-Kurs sinkt auf 1,0860. Dieses 26 Monatstief ist das untere Ende eines mehrmonatigen Abwärtstrendkanals und wahrscheinlich ein Punkt, an dem die Schweizerische Nationalbank (SNB) eingreift. Die SNB dürfte ferner Notfallpläne für einen neuen Euro-Mindestkurs in der Schublade haben.

Vor dreieinhalb Monaten gab es für den Euro noch knapp 1,15 Franken. Seitdem hat sich die Gemeinschaftswährung um 5,5% abgeschwächt. Die meiste Zeit schaute die SNB der Abwärtsbewegung tatenlos zu. In der letzten Woche fiel der Euro dann unter die Marke bei 1,10 Franken. Seitdem ist die SNB zugegen, zeigen wöchentliche Statistiken zur Entwicklung der Franken-Sichtguthaben.

Wenn die SNB interveniert, kauft sie Geschäftsbanken Euros ab und rechnet deren Gegenwert in Franken den Sichtguthaben an. Es macht aus taktischer Sicht Sinn, dass die SNB bis Anfang August gewartet hat. Damit tauchen die Interventionen in der zum Monatsende fälligen Pflichtmitteilung an den Internationalen Währungsfonds (SNB) über die Höhe der Devisenreserven erst einmal nicht auf.

Devisenspekulanten werden erst im September wissen, wie umfangreich die SNB im August intervenierte, um einen noch tieferen Fall des Euro-Franken-Kurses zu verhindern. Das hilft den Schweizer Währungshütern etwas Zeit zu gewinnen. Die SNB hat ein Interesse daran, so lange wie möglich zu verbergen, ob ihre Schmerzgrenze für den EUR/CHF-Kurs bei 1,05, 1,06 oder 1,08 liegt.


Darüber hinaus steht ein neuer Mindestkurs im Raum. Dafür bräuchte es aber wohl eine Finanzkrise zusammen mit einem scharfen Anstieg der Nachfrage für den Franken, zitiert die "Financial Times" den Senior-Ökonom David Oxley von dem Wirtschaftsforschungsunternehmen Capital Economics in London. Ein neuer Mindestkurs könnte beispielsweise bei EUR/CHF 1,05 liegen.

Anfang 2015 hatte die SNB aus heiterem Himmel den Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken aufgegeben. Hintergrund war der bevorstehende Einstieg der Europäischen Zentralbank (EZB) in den Erwerb von Staatsanleihen (QE). Inzwischen hat die EZB den Nettoerwerb eingestellt. Die meisten Analysten rechnen jedoch damit, dass demnächst es ein zweites, massives Wertpapierkaufprogramm (QE2) kommen wird.

Sollte die SNB darauf mit einem Euro-Mindestkurs beispielsweise bei 1,05 Franken reagieren, würde sich der Kreis wieder schließen. Die eine Hälfte der Kritiker könnte sagen, man hätte den ersten Mindestkurs bei 1,20 nie aufgeben sollen. Die andere Hälfte in den Raum stellen, dass auch ein Euro-Mindestkurs bei 1,05 Franken früher oder später platzen werde.