EUR/CHF-Ausblick: QE2-Falle schnappt 2020 zu
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EUR/CHF-Ausblick: QE2-Falle schnappt 2020 zu

Seit 17 Wochen ist der Euro-Franken-Kurs auf einem Sinkflug. Es gibt nun erste Anzeichen für ein Ende der Flucht in den Franken. Schlechte Nachrichten perlen am Euro ab. Das Bigger Picture deutet darauf hin, dass die EZB mit einem umfassenden Lockerungpspaket noch einmal etwa 1% Wirtschaftswachstum aus der Eurozone herausquetscht und so die Risikobereitschaft befeuert.

Olli Rehn war während der Euro-Krise Währungskommissar in der EU-Kommission. Seit kurzem ist er finnischer Notenbankchef und sitzt damit im EZB-Rat. Der Nordeuropäer Rehn macht sich für großangelegtes Lockerungspaket stark. Seine Forderungen und Überlegungen sich so radikal, dass er damit seine Notenbanker-Kollegen aus den südlichen Gefilden der Eurozone in den Schatten stellt.

Deutliche Leitzinssenkungen und ein neues Programm substanzieller Anleihenkäufen (QE2), suggeriert Rehn im Interview mit dem "Wall Street Journal". Die Regel, die EZB dürfe nur 33% der Schulden eines Eurozonen-Landes halten, könne man erhöhen. Darüber hinaus sei es denkbar, Notenpressen-Euros direkt in die Aktienmärkte hineinzugeben. Rehns Tenor: Besser die Markterwartungen übertreffen als sie zu verfehlen.

Die erste Reaktion des Euro-Franken-Kurs ist ein Rückfall auf 1,0835 – den tiefsten Stand seit Juni 2017. Zu einem Angriff auf die wichtige Unterstützung bei 1,0810 kommt es allerdings nicht. Man kann das Rehn-Interview auch als Kampfansage an die deutsche Politik verstehen. Angela Merkel hatte kurz zuvor gesagt, dass sie keine Notwendigkeit für ein Konjunkturprogramm sehe.

Damit ist die Situation ähnlich wie vor fünf Jahren. Damals forderte Draghi auf dem Notenbanksymposium in Jackson Hole Deutschland dazu auf, mehr Schulden zu machen. Merkel lehnte ab. Das wenige Monate später verabschiedete Staatsanleihen-Kaufprogramm (QE1) übertraf dann die Erwartungen der Finanzmarktteilnehmer.

Gier hilft Euro


Wenn die EZB am 12. September 2019 das angekündigte Lockerungspaket beschließt, ist keinesfalls gesagt, dass der Euro-Franken-Kurs schnurstracks Richtung Parität marschiert. Weil sich mit der Öffnung der Geldschleusen die Stimmung an den Finanzmärkten aufhellt und eine Flucht in den Franken zu diesem Zeitpunkt deplatziert wäre, könnte der Euro sogar für einige Monate steigen.

Die EZB wird raue Mengen an Notenpressen-Euros an unzähligen Stellen in die Finanzmärkte hineingeben. Dadurch steigt die Gier der Geldmenschen. Man denke nur an jene Fondsmanager, die letztes Jahr tiefer im Minus waren als der Gesamtmarkt und in diesem Jahr den steilen Aktienanstieg zu Jahresbeginn versäumten. Die werden im Schlussquartal kräftig Aktien kaufen.

Dank einer Hochstimmung an den Finanzmärkten gibt es eine positive Rückkopplung mit der Realwirtschaft. Die (Sentiment-) Konjunkturdaten verbessern sich. Auf diese Weise lässt sich das Wirtschaftswachstum der Eurozone auf etwa 1% hochziehen. Bei QE1 hatte man noch 2% geschafft.

Und so dürfte die bis zum Mond reichende EZB-Papiergeldwand den Euro-Franken-Kurs bis Anfang 2020 vor Abwärtsrisiken abschirmen. Dann wird sich der Konjunkturimpuls abschwächen und der Devisenmarkt an die Schattenseite der EZB-Geldpolitik erinnern: Das ist die Verwässerung (Debasing) des Euros, wie sie in dem steilen Anstieg der EZB-Bilanzsumme zum Ausdruck kommt.
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