Frankreich legt Euro Weichwährungsfessel an
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Frankreich legt Euro Weichwährungsfessel an

Der Euro-Franken-Kurs ist in einem kleinen Teufelskreis. In neun der letzten 14 Monate ging es bergab. Weil eine French Connection nun alle Fäden in der Hand hält, ist eine Trendwende nicht in Sicht. Der französische Franc konnte der D-Mark nicht das Wasser reichen. Gegenüber dem Schweizer Franken hat sich der Franc zwischen 1970 und 1998 mehr als doppelt so stark abgeschwächt.

Frankreich kann weder Hartwährung noch Reservewährung. Insofern muss man schmunzeln, wenn der französische Finanzminister Le Maire darüber spricht, die Rolle des Euros auf internationaler Ebene stärken zu wollen. Es sei möglich aus dem Euro eine Referenzwährung zu machen, sagt Le Maire. Sein im EZB-Rat sitzender Landsmann kündigt gleichzeitig Maßnahmen an, die das Gegenteil bewirken.


Das nächste EZB-Maßnahmenpaket zur Ankurbelung von Konjunktur und Inflation könne im Grunde jederzeit kommen, erklärt Frankreichs Notenbankchef, EZB-Ratsmitglied, Villeroy de Galhau, im Interview mit dem Börsenkanal CNBC. "Wir schauen auf die Märkte, aber wir sind nicht abhängig von ihnen. Wir sind abhängig von den (Fundamental-) Daten."

Ganz so einfach lässt sich eine Trennlinie jedoch nicht einzeichnen. Weil die EZB mit ihrer Geldpolitik seit einem halben Jahrzehnt die Vermögenswertpreise für Anleihen, Immobilien und Aktien nach oben treibt, beginnt die Konjunktur sofort zu wackeln, wenn die Kurse an den Finanzmärkten sinken. Es muss dann Geld mit der Notenpresse hinterher geschossen werden, um die Lage wieder zu stabilisieren.

Wegen dem Aufputschmechansimus hat der Euro nicht das Zeug zu einer Reservewährung internationalen Rangs aufzusteigen. Jedes Mal, wenn die Konjunktur in der Eurozone wegen strukturellen Versäumnissen lahmt und die Kurse sinken, springt die EZB ein. Sie druckt dann Euros und/oder macht ihre Euros mit noch negativen Zinsen unattraktiver.

Das Werben der Franzosen, dass sich Notenbanken der aufstrebenden Volkswirtschaften und Sovereign Wealth Funds (staatliche Vermögensverwalter) stärker dem Euro zuwenden, läuft auch ins Leere, weil Christine Lagarde nächste EZB-Chefin wird. Die Französin ist zwar eine Konservative. Mit einer konservativen Geldpolitik à la Bundesbank hat sie aber überhaupt nichts am Hut.

Fazit:
Frankreich legt dem Euro eine Weichwährungsfessel in Form seiner währungspolitischen Ideologie an. Ein Blick auf den Absturz des französischen Francs gegenüber dem Schweizer Franken (-68%) zeigt, wohin die Reise für den Euro geht.
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