Der Euro sitzt in der Backstop-Falle
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Der Euro sitzt in der Backstop-Falle

Proaktiv muss sie sein und einen Backstop haben: Die Rede ist von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Weil die EZB auf einen neuen Lockerungs-Weltrekord zusteuert, wird es der Euro-Franken-Kurs schwer haben, sich über 1,10 zu halten. Hinzu kommt: Christine Lagarde, die vor einige Jahren Draghi aufforderte noch mehr Geld zu drucken, soll künftig die EZB führen.

"Es ist wichtig, dass eine Zentralbank beständig in ihren geldpolitischen Entscheidungen ist, indem sie proaktiv auf Schocks reagiert", sagt der neue EZB-Chefvolkswirt Philip Lane. Man legt also einen Verband an, bevor man sich verletzt. Das schränkt die Bewegungsfreiheit ein führt dazu, dass sich die Eurozonen-Wirtschaft in den kommenden Jahren mit kleinen Wachstumsraten à la Italien begnügen wird müssen.

Mario Draghi ist glühender Verfechter von so genannten Backstops, also Auffanglösungen. Sein Whatever-it-Takes-Backstop ist inzwischen legendär. Der Italiener will auch einen mit Steuergeldern finanzierten Backstop für Banken. Darüber hinaus gibt einen Backstop für unliebsame Entwicklungen an den Finanzmärkten.

Sündhafte Geldpolitik


Steigt die Volatilität und sinken die Aktienkurse, dauert es 24-48 Stunden: Dann tritt ein EZB-Währungshüter an die Öffentlichkeit und verkündet, man können noch mehr tun, also die Geldpolitik weiter lockern. Der Aktien-Backstop (Draghi Put) wird bald für alle sichtbar sein, weil die EZB im Rahmen ihres nächsten Wertpapierkaufprogramms (QE2) auch Aktien kaufen dürfte.

Von einer sündhaften Geldpolitik der EZB spricht der US-Bondguru Jeffrey Gundlach. Die negativen Zinsen führten zu Verwundbarkeiten, und wenn man sie noch negativer mache, ergebe sich ein Teufelskreis, so Gundlach. Die EZB verhalte sich wie eine Notenbank aus einer aufstrebenden Volkswirtschaft, kritisiert der frühere Pimco-Chef Mohamed El-Erian.

In Frankfurt will man davon nichts hören. Man schaufelt proaktiv Geld in die Finanzmärkte. Wenn das nicht reicht, schaufelt man über die Backstop-Schiene hinterher. Angefeuert wird die EZB dabei von den Regierungen in Paris, Rom und Madrid sowie gierigen Vermögensverwaltern, denen nichts besseres einfällt, als Aktien zu kaufen, weil es auf Anleihen keine Zinsen mehr gibt.

Wie soll der Euro spürbar gegenüber dem Schweizer Franken steigen, wenn der EZB nichts anderes einfällt als Euros zu drucken, um diese dann mit immer negativeren Zinsen extrem unattraktiv zu machen? Und dann ist da noch die frühere französische Finanzministerin. Der ein oder andere mag sich erinnern: Lagarde forderte von einigen Jahren Draghi auf, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen.

"Lagardes Nominierung ist das falsche Signal für die Zukunft des Euro-Raums", 🔗schreibt die Neue Zürcher Zeitung. Mit dem Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, hat die Französin noch eine Rechnung offen. Lagarde klagte einst, warum sie Jordan vor der Mindestkurs-Aufhebung nicht in Kenntnis gesetzt hatte und sie als IWF-Chefin vom Frankenschock kalt erwischt wurde.