Sprengt Lagarde die 1,10-Befestigung?
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Sprengt Lagarde die 1,10-Befestigung?

Devisenhändler stehen mit Blick auf den EUR/CHF-Kurs vor einer schwierigen Entscheidung: Soll man den Franken wegen der Börsenrallye nach dem Trump-Xi-Gespräch und der damit verbundenen hohen Risikobereitschaft ausmustern? Oder ist es besser seine Schweizer Franken zu behalten, da die nächste EZB-Chefin eine glühende Anhängerin von so genannten unkonventionellen Maßnahmen wie dem Ankauf von Staatsanleihen ist?

Da hätten sie auch Wolfgang Schäuble fragen können, ob er an die EZB-Spitze wechseln will. Auch die frühere französische Finanzministerin hat keine Fachkenntnis auf dem Gebiet der Geldpolitik. Im Gegensatz zu Schäuble wird Lagarde allerdings nicht mit der Wimper zucken, wenn es darum geht, hohe Staatsschulden einzelner Euroländer mithilfe der Notenpresse tragbar zu machen.

Weil Marktteilnehmer inzwischen fest mit einer EZB-Einlagenzinssenkung im September rechnen, wird der Staatsanleihen-Markt einmal mehr ad absurdum geführt. Der Zins auf zweijährige Staatsanleihen aus dem hochverschuldeten Italien sinkt auf -0,03%. An der Wall Street purzeln die Allzeithochs. Mehr Risikobereitschaft geht nicht.


Den Euro-Franken-Kurs lässt das kalt. Er notiert bei 1,1130. Es ist nicht so, dass Zentralbanker es nicht versucht hätten, Devisenkurse zu manipulieren. Die Europäer holten sich mit der EWS-Währungskrise Anfang der 1990er-Jahre eine blutige Nase geholt. Nun versuchen Draghi und Co. ihr Glück am Staatsanleihen-Markt.

Wenn die Schweizerische Nationalbank (SNB) nicht gerade interveniert, ist der Euro-Franken-Kurs eines der wenigen Objekte, dass nicht der direkten- und indirekten Manipulation der Notenbanker unterworfen ist. Und damit ist er auch Ventil für das Schuldengeschacher zwischen der EZB und Euroländern wie Italien, sprich: Die unsägliche Vermengung zwischen Geld- und Fiskalpolitik kommt in einem weichen Euro zum Ausdruck.

Wachsweich wird der Euro, wenn die Euroländer das ihnen von der EZB-Manipulation zur Verfügung gestellte Geld, das ihnen in Form von gesparten Zinsen zur Verfügung steht, verbraten haben und es eine Rezession gibt. Auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten geht daher an einem Absinken des Euros unter 1,10 Franken kein Weg vorbei.

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