Chancen und Risiken für den Euro
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Chancen und Risiken für den Euro

"Kurzfristig fehlen die positiven Impulse für einen höheren Euro und eine Seitwärtsbewegung (1,13-1,15) ist wahrscheinlich", steht im aktuellen EUR/CHF-Ausblick der Graubündner Kantonalbank. "Mittelfristig sollte EUR/CHF zulegen können, sobald sich eine Zinserhöhung der EZB abzeichnet." Doch was passiert, wenn die Notenbanken als Reaktion auf den Trumps Handelskriege die Geldschleusen weiter aufdrehen?

Der EUR/CHF-Kurs pendelt seit neun Monaten in einer Handelsspanne zwischen 1,1160 und 1,1480. Aktuell zeichnet sich eine Abwärtsbewegung an die untere Begrenzung ab. Der Euro kostet 1,1280 Franken. Das sind zwei Rappen weniger gegenüber Ende April, als er auch dank der hohen Risikobereitschaft und der Aktienrallye 1,1480 Franken wert war.

Es gibt erste Signale, dass Chinas Notenbank und die amerikanische Fed auf konjunkturelle Abkühlungen hervorgerufen durch den Handelskrieg mit Lockerungen der Geldpolitik reagieren. Werden die beiden Wirtschaftskolosse expansiver, ist kaum vorstellbar, dass die EZB forsch auftritt, restriktiver wird und die Zinsen erhöht.

"Bei dem Treffen von geldpolitischen Entscheidungen ist es oft besser "Safe than Sorry" zu sein", sagte unlängst der Chef der finnischen Notenbank und Draghi-Nachfolger-Anwärter, Olli Rehn. Damit stehen die Chancen auf eine EZB-Leitzinserhöhung als Antriebsfeder für einen steigenden Euro-Franken-Kurs ziemlich schlecht.

Euro lachender Dritter?

Einige hoffen darauf, dass bei einem offenen Wirtschaftskrieg zwischen den USA und China die Vormachtstellung des US-Dollar schwindet und der Euro an Bedeutung zurückgewinnt. Bevor Draghi, Griechenland und die anderen Weichwährungsspezialisten die Gemeinschaftswährung zerrieben, war er auf dem aufsteigenden Ast. Viele ausländische Zentralbanken hatten ihre Euro-Bestände in den 00-Jahren deutlich aufgestockt.


Mit der unsäglichen Geldpolitik über die Notenpresse zur Finanzierung der hohen Staatsschulden in Ländern wie Italien ging die internationale Bedeutung des Euros dann zurück. So sank sein Anteil an den weltweiten Devisenreserven seitdem Draghi EZB-Chef ist von 25% auf knapp 21%. Der US-Dollar konnte sich hingegen bei 62% konstant halten, zeigen Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Es gibt drei Gründe, die gegen eine Renaissance des Euros sprechen:
  1. Es ist furchtbar unglaubwürdig, wenn 19 europäische Länder eine gemeinsame Zentralbank gründen, an die sie dann ihre Staatsschulden outsourcen.
  2. Trump dürfte auch die Europäer mit einem Handelskonflikt überziehen. Der Euro wird daher nicht in die Rolle des lachenden Dritten schlüpfen können, während sich die USA und China wirtschaftlich bekriegen.
  3. In der Eurozone haben sie die Zinsen weitgehend abgeschafft. Auf eine bonitätsschwache, risikoreiche zehnjährige spanische Staatsanleihe gibt es gerade einmal einen Zins von 0,88%. Die Inflation muss man davon noch abziehen. Das macht den Euro unattraktiv.
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