Euro biegt auf Verliererstraße ab
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Euro biegt auf Verliererstraße ab

Ein Versuch des Euros über 1,15 Franken zu steigen scheitert an einem hartnäckigen Widerstand bei 1,1460-1,1480 Franken. Der Zurückpraller fällt ziemlich deutlich aus, und so kommt es zu einem Rücklauf des EUR/CHF-Kurses auf 1,1355. Das ist insofern kurios, weil die Devisenpresse gerade beginnt zu berichten, dass Sichere Häfen unter Druck gerieten.

Gegenwind kommt von den Rentenmärkten: Die als besonders sicher geltenden deutsche Staatsanleihen sind gesucht. Die führt im Gegenzug dazu, dass der Zins auf die Zehnjährigen wieder ins negative Terrain abrutscht. Italienische Schuldtitel verzeichnen hingegen einen Zinsanstieg. Sollte die Zinsaufspreizung zwischen Deutschland und Italien voranschreiten, dürfte EUR/CHF weiter sinken.

"Die schlechten Konjunkturdaten aus dem Euroraum haben die fast schon euphorische Euro-Stimmung eintrübt. Generell bleibt das Währungspaar angeschlagen", meint die Thurgauer Kantonalbank. "1,1380 erweist sich momentan als guter Support. Ein Durchbrechen würde den Weg freimachen gegen 1,1300", kommentiert die St.Galler Kantonalbank die aktuelle Lage des EUR/CHF-Kurses.


Eine schwere Bürde für den EUR/CHF-Kurs ist der wachsweiche Euro im Vergleich zum US-Dollar. 1 Euro kostet nur noch 1,11 US-Dollar. Das ist so wenig wie das letzte Mal vor knapp zwei Jahren. Damit schreitet die Abschwächung der Gemeinschaftswährung wegen einer immer weiter aufgeblähten Bilanzsumme der Europäischen Zentralbank (EZB) voran.

Im Kreis der Geschäftsbanken, Vermögensverwalter und EZB-Notenbanker scheint es ein Schweigegelübde zu geben die Bilanz-Aufblähung nicht anzusprechen. Man kann die Euro-Prognosen der Devisenexperten rauf und runter lesen, das Thema wird totgeschwiegen. Die drei haben ein ureigenes Interesse daran, dass keine öffentliche Debatte über die Ursachen und Folgen der Weichwährungspolitik stattfindet.

Es gibt weitere Inforamtionsasymmetrien: Die meisten Experten prognostizieren, dass es mit der Konjunktur in der Eurozone bald bergauf geht. Als Grund wird in der Regel China genannt, dass seine Wirtschaft stimuliert, wovon dann die Eurozonen-Industrie profitiere. Ganz davon abgesehen, dass kaum jemand weiß, was in China wirklich vonstatten geht, ist dieses Argument nicht überzeugend.

Denn die Steuererleichterungen für den chinesischen Verbrauchern zielen in erster Linie darauf ab, dass dieser mehr Geld zur Verfügung hat, um die Produkte der chinesischen Wirtschaft zu konsumieren. Zu 100% lässt sich das Ganze natürlich nicht auf den Heimatmarkt zuschneiden, so dass Eurozonen-Hersteller eine etwas bessere Nachfrage für ihre Industrieprodukte wie Pkw sehen dürften.

Dem steht allerdings mehr Arbeitslosigkeit gegenüber. In Italien und Spanien sind die Arbeitslosenraten zuletzt gestiegen. Eine spürbare Wachstumsbeschleunigung, wie sie von den Expertem prognostiziert, wird daher kaum zu erreichen sein. Damit kann der Euro eigentlich nur in Phasen von Anlegergier und grenzenlosem Optimismus gegenüber den Schweizer Franken zulegen.
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