Euro kurz davor unter die Räder zu kommen
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Euro kurz davor unter die Räder zu kommen

Der Euro wird von einer desaströsen Industriekonjunktur in Deutschland kalt erwischt, und so sinkt der EUR/CHF-Wechselkurs auf 1,1210. Das ist der tiefste Stand seit zweieinhalb Monaten. Gegenwind kommt auch aus Frankreich und vom Devisenoptionsmarkt. Darüber hinaus sprechen die jüngsten Brexit-Entwicklungen für die zunehmende Beliebtheit des Schweizer Franken.

Aktuelle Einkaufsmanager-Daten für die deutsche Industrie fallen so schwach aus wie das letzte Mal vor sechseinhalb Jahren. Im Produzierenden Gewerbe fand zum ersten Mal seit drei Jahren ein Stellenabbau statt. Bei den Dienstleistern läuft es zwar noch recht gut. "Die Frage ist nur, wie lange er sich dem Abwärtssog der Industrie entziehen kann", kommentiert der Ökonom Phil Smith von IHS Markit.

In Frankreich ist die Wirtschaft ebenfalls auf Schrumpfkurs. Der Rest der Eurozone hat nicht genügend Hebel, um die Kohlen aus dem Feuer zu holen. In den Niederlanden, Österreich und den verbleibenden Euroländern erhöhte sich das Wachstum im Dienstleistungssektor zwar auf ein 8-Monatshoch. Die Ausbringungen des Industriesektors stagnierten jedoch.


Am Devisenoptionsmarkt dreht das einmonatige Risk Reversal nach unten ab. Die wichtige Kennzahl signalisiert eine Abwärtsbewegung des Euro-Franken-Kurs in den kommenden Wochen. Aus fundamentaler Sicht macht das Sinn, weil neben den schwachen Konjunkturdaten ein geordneter Brexit auf Messers Schneide steht.

Einen ungeordneten Brexit kann sich die schwache Eurozonen-Wirtschaft im Moment eigentlich gar nicht leisten. Aktuell stellt sich die Lage laut Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz wie folgt da:

"Es gibt einen Aufschub bis zum 12. April. Wenn im britischen Unterhaus nächste Woche eine Zustimmung stattfindet für den vorliegenden Deal, gibt es einen Aufschub bis zum 22. Mai, um den Brexit noch geordnet über die Bühne zu bringen. Wenn es keine Zustimmung in Großbritannien gibt, dann sind wir dem harten Brexit wieder einen Schritt näher."

Wenn sich EU und Briten nicht einigen, muss das als eines von Europas größtem Diplomatieversagen seit dem Zweiten Weltkrieg eingestuft werden. Ob die britische Wirtschaft unter einem harten Brexit mehr leidet als die der EU, ist keinesfalls gesagt.

Sollten die Briten einen harten Brexit nutzen, um auf ein System mit sehr viel mehr Freihandel umzustellen, werde der Brexit großartig, sagt der renommierte Investor Mark Mobius. Das wäre gut für England, das wäre gut für den Rest der Welt, vor allem die Emerging Markets, so Mobius im Gespräch mit dem Finanzsender CNBC. Es wäre wohl auch gut für den Schweizer Franken, lässt sich anmerken.