Trügerische Ruhe beim EUR/CHF
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Trügerische Ruhe beim EUR/CHF

Es ist Sand im Getriebe, und so dümpelt der Euro weiter bei 1,13-1,14 Franken. Die geringen Kursausschläge erinnern an die Mindestkurs-Phase. Als die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro über einer Stützgrenze von 1,20 Franken hielt, war es die meiste Zeit ebenfalls recht ruhig zu. Eines ist aber auch klar: Irgendwann wird es zu einem Ausbruch kommen. Es gibt bereits Anhaltspunkte, wohin die Reise geht.

Aus devisentaktischer Sicht lohnt es die Wechselkurse des US-Dollars zum Franken (USD/CHF) und des Euros zum US-Dollar (EUR/USD) unter die Lupe zu nehmen. Dadurch lässt sich besser abschätzen, in welche Richtung die Reise für den EUR/CHF geht:
  • Der USD/CHF hat es nicht geschafft zwischen sich und der Parität ein Polster zu platzieren. Er kommt nicht einmal in die Nähe einer hartnäckigen Widerstandszone bei 1,0260-1,0300, deren Bruch den EUR/CHF mit nach oben katapultiert hätte. Stattdessen bleibt er bei 1,01 hängen und liebäugelt gegenwärtig mit einem Rückgang unter die Parität.
  • Der EUR/USD hat sich etwas erholt und notiert aktuell bei knapp 1,14. Um den Einfluss des sinkenden USD/CHF auf den EUR/CHF gering zu halten, müsste EUR/USD über 1,15 steigen. Gelingt das nicht, wäre das ein Indiz dafür, dass der EUR/CHF aus dem Seitwärtsband, in dem er sich befindet, nach unten ausbricht.


Ferner gilt es den heißgelaufenen Schweizer Aktienindex (SMI) im Auge zu behalten. Der SMI ist in den letzten zwei Monaten um satte 15% nach oben geschossen und hat damit seine Pendants ATX, DAX und Euro Stoxx 50 in den Schatten gestellt. Der steile Anstieg des SMI signalisiert, dass die Schweizer Wirtschaft in der Lage ist, sich von den Konjunkturabschwüngen in Deutschland, Italien und Frankreich abzuschirmen.

Hierbei handelt es sich aber um einen Trugschluss. Der SMI hätte deswegen durchaus eine kalte Wechselkurs-Dusche vonnöten, soll heißen, es kommt zu einer Aufwertung des Schweizer Franken vis-à-vis Euro und US-Dollar, damit die Gewinnerwartungen von SMI-Schwergewichten wie Nestlé und den Pharmawerten nicht in den Himmel wachsen und Blasen-Niveaus erreichen.

Auch in den USA werden Unternehmen wie Novartis und Roche es schwer haben, die Gewinne deutlich zu steigern, so wie es ihre hohe Aktienkurse derzeit signalisieren. Die US-Wirtschaft kühlt sich zwar nur sehr langsam ab, aber sie kühlt aber runter. Das zeigt ein Blick auf einen sehr zuverlässigen Rezessions-Indikator: Die Arbeitslosenrate.

Im Januar 2019 ist die Arbeitslosenrate über die durchschnittliche Arbeitslosenrate zwischen Januar 2018 und Januar 2019 gestiegen. Eine solcher Anstieg der Arbeitslosenrate über ihren 12-Monats-Durchschnitt ist ein äußerst treffsicherer Vorbote für Rezessionen in den USA.

Auf der Habenseite hat der Euro derzeit die jüngsten Brexit-Entwicklungen. Ein harter EU-Austritt Großbritanniens zum 29. März 2019 ist vom Tisch. Das kommt an den europäischen Aktienmärkten gut an. Ferner steigt das Britische Pfund gegen den Euro auf den höchsten Stand seit knapp zwei Jahren. Der Schweizer Franken verliert etwas auf den Euro, infolge klettert EUR/CHF von 1,1350 auf 1,1380.
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