Ausblick 2019: Euro wird zum heißen Eisen
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Ausblick 2019: Euro wird zum heißen Eisen

Der Euro startet bei 1,14 Franken in die letzten beiden Monate des Jahres. Zum Vergleich: Im November 2017 war er bei 1,16. So richtig ins Rollen kam die Abwärtsbewegung des Wechselkurses bisher nicht. Das könnte sich 2019 schlagartig ändern, wenn der Euro seine Stabilitätsprämie verliert.

"Würde der Franken in einem Handelskrieg als sicherer Hafen gesucht? Oder geriete er sogar unter Abwertungsdruck, weil unser Land als kleine offene Volkswirtschaft gegenüber einer heftigen Kontraktion des Welthandels besonders stark exponiert wäre?", fragt der Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan in einem Vortrag. Die Antwort lässt er offen.


Für Marktbeobachter, die einen möglichste schwachen Franken wollen, ist ein so genanntes Double-Whammy-Szenario interessant: Dabei würde die Schweizer Wirtschaft von einem Handelskrieg sowie dem Platzen einer Immobilienblase heimgesucht. Der Franken geriete, wie von SNB-Chef Jordan skizziert, unter Abwertungsdruck. Die Chancen, dass es dazu kommt, sind aber nicht sonderlich groß.

Machtvakuum

Wahrscheinlicher ist, dass der Euro eins auf die Mütze bekommt. Devisenhändler sprechen davon, dass die Stabilitäts-Prämie flöten geht. Hintergrund sind der anstehende EZB-Chefwechsel und die Europawahlen. Der frühere deutsche Vizekanzler Sigmar Gabriel glaubt, dass Angela Merkel bis Mai 2019 als Kanzlerin zurücktreten wird.

Merkel steht für Stabilität in der Eurozone. Geht die Kanzlerin, gibt es erst einmal niemanden, der diese Rolle besetzen kann. Es ist kaum vorstellbar, dass sich Merkel von dem sich abzeichnenden CDU-Parteivorsitzenden Friedrich Merz die letzten drei Jahre ihrer Kanzlerschaft dazwischen fuhrwerken lässt.

Wenn 2019 die alten Haudegen Merkel, Juncker und Draghi gehen, wird die Eurozone eine gewisse Zeit brauchen, um sich neu einzusortieren. In einem wirtschaftlich prosperierenden Umfeld wäre das eine gute Nachricht für den Euro. Da der Abgang des Trios aber dem Verlass eines sinkenden Schiffs ähnelt, wird der Euro erst einmal leiden.