Franken-Kredite: Das große Loch wird kleiner
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Franken-Kredite: Das große Loch wird kleiner

Wenn sich EU und die Schweiz zanken, sind Österreichs Franken-Kreditnehmer die lachenden Dritten. 1 Euro ist aktuell 1,1730 Franken wert. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht. Damals galt 1 Euro = 1,07 Franken. Dank des Wechselkursanstiegs werden bereits bei einem -Franken-Kredit im Gegenwert von 100.000 Euro 12.000 Euro aufgeholt.

Man könnte jetzt die Ende 2016 abgegebenen EUR/CHF-Prognosen herauskramen und würde feststellen, dass fast alle Banken falsch gelegen haben. Sei's drum. Dass der Euro in die Nähe des früheren Mindestkurses steigt, damit haben nur UBS und BNP Paribas gerechnet. Sie hatten einen Anstieg auf 1,16 prognostiziert.


Beispiel Franken-Kredit:
  • Ein Franken-Kreditnehmer verschuldet sich im März 2008 für 100.000 Euro. Bei dem damaligen Euro-Wechselkurs von 1,55 Franken ergibt sich eine Kreditsumme von 155.000 Franken.
Wechselkursverlust Ende 2016:
  • 155.000 Franken zum damaligen EUR/CHF-Kurs von 1,07 = 144.860 Euro
  • 100.000 Euro minus 144.860 Euro = -44.860 Euro
Wechselkursverlust Ende 2017:
  • 155.000 Franken zum heutigen EUR/CHF-Kurs von 1,17 = 132.479 Euro
  • 100.000 Euro minus 132.479 Euro = -32.479 Euro
Zinsersparnis:
  • Gegenüber einer Euro-Finanzierung belief sich der Zinsvorteil in den letzten zehn Jahren auf etwa 0,7% (700 Euro). Er fällt damit deutlich niedriger aus als vor der Finanzkrise.
Gesamtverlust:
  • Zinsersparnis von 700 Euro minus Wechselkursverlust von 32.479 Euro
  • Gesamtverlust: -31.779 Euro


Der EU ist natürlich nicht verborgen geblieben, dass die Schweiz den Gaul geritten hat, bis er tot war. Es geht darum, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) bis 2008 konsequent die Zinsen in Europa unterboten hat, um den Franken schwach und die Exportüberschüsse hoch zu halten.

Der Kollateralschaden war mit Franken-Krediten hoch verschuldete Privathaushalte in Österreich und Osteuropa. In Ungarn und Polen hat das mit dazu beigetragen, dass dort Regierungen mit dicken Mehrheiten an die Macht kamen, die nicht scheuen, mit Brüssel den Konflikt zu suchen.

Zuletzt hat sich der Ton zwischen Brüssel und Bern wieder verschärft. Die EU hat den Schweizer Börsen eine unbefristete Anerkennung verweigert, was von der Regierung in Bern als Affront aufgefasst wird. Bundespräsidentin Leuthard stellte daraufhin die jährlichen Unterstützungszahlungen an die EU in Höhe von ca. einer Milliarde Franken in Frage.

Für den Devisenmarkt ist die Sache klar: Die Schweiz zieht den Kürzeren, wenn sie sich mit der EU anlegt. Das führt wiederum dazu, dass sich der Franken abschwächt.