Euro-Ausblick 2019: Ein Schwarzer Schwan namens Weidmann
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Euro-Ausblick 2019: Ein Schwarzer Schwan namens Weidmann

Wechselt Jens Weidmann ins Finanzministerium, wird es eng für den Euro. Dem deutschen Bundesbankchef werden zwar Ambitionen auf die Nachfolge von Mario Draghi nachgesagt. Frankreich und Italien wollen Weidmann als EZB-Präsident aber unbedingt verhindern. Aus dem Euro wird so eine Weichwährung, die international an Bedeutung verliert. Der Niedergang beschleunigt sich, weil ein Draghi-Clon die EZB auf Staatsfinanzierungs-Kurs halten wird.

An den Finanzplätzen in London und New York gehen viele davon aus, dass Weidmann Draghi beerben wird und die EZB von ihrer Rolle des größten Staatsfinanzierers der Euroländer wegbewegt. Der Euro wäre damit wieder ein Stück weit der Deutschen Mark ähnlicher. Der Moderator von Bloomberg Radio, Tom Keene, hat erst gerade in einem Interview mit den früheren Bundesbankchef Axel Weber erklärt, die D-Mark sei die beste Währung der Welt gewesen.

Frankreich will das Fell des Bären verteilen, bevor er erlegt ist. Die Eurozone müsse nach Ansicht von Finanzminister Le Maire schnellstens umgebaut werden. Wenn es zu lange dauert, besteht für die französische Regierung die Gefahr, dass ihre halbherzigen Reformen zuvor auffliegen. Präsident Macron will in diesem Jahr mit Ach und Krach das Haushaltsdefizit unter 3% drücken. Im nächsten Jahr, wenn Macron seinen Geldtopf für die Eurozone hat, dürfte das schon wieder anders aussehen.

Macron wird mit seiner Arbeitsmarktpolitik die hohe Arbeitslosigkeit nicht runterbekommen: Staatsdiener und Bürokraten sollen ungelernten und unterqualifizierten Arbeitslosen zeigen, wie man in der Privatwirtschaft eine Tätigkeit verrichtet. Das wird blumig als skandinavisches Modell beschrieben, ist aber in der Praxis zum Scheitern verurteilt, gerade in Frankreich. Wahrscheinlich weiß das auch Macron. Er bedient sich trotzdem dieses Modells, wohl um neue Staatsdiener einstellen zu können und so seine Kürzungen zur Erreichung des 3%-Defizitziels abzumildern.

Euro wird es extrem schwer haben

"Wenn Herr Weidmann nicht von seinen Positionen abrückt, dann würden wir einen EZB-Präsidenten bekommen, der ständig vom EZB-Rat überstimmt wird. Das wäre sehr schlecht, nicht nur für den Präsidenten, sondern vor allem für die Eurozone", zitiert Dow Jones den Chefvolkswirt des französischen Vermögensverwalters Oddo, Bruno Cavalier. Das zeigt einmal mehr, dass in der EZB jene Positionen, die einst die D-Mark zur besten Währung der Welt gemacht haben, keine Chance haben.



Statt sich für einen EZB-Chef Weidmann zu verkämpfen, könnte Angela Merkel den Bundesbankchef zum parteilosen Finanzminister machen. Weidmann dürfte dann darauf achten, dass bei der Installierung neuer Geldtöpfe ein Mindestmaß an Eigenverantwortung und Eigeninitiative auf Seiten der südlichen Euroländer gewahrt bleibt. Gleichzeitig könnte Merkels Koalitionspartner FDP mit einem Finanzminister Weidmann sehr gut Leben. Der Euro hätte es allerdings schwer, würde der Bundesbankchef seine Ambitionen auf den EZB-Chefsessel aufgeben.

Ist Weidmann raus, werden Draghi und sein Nachfolger die Staatsfinanzierung mittels Notenpresse zum Dauerinstrumentarium der EZB machen. Das ist ein extrem undankbarer Ausblick für den Euro und führt in der langen Sicht dazu, dass ein iPhone, das heute 1.000 US-Dollar bzw. 1.150 Euro kostet, künftig weiterhin 1.000 Dollar aber dann eben 2.000 Euro kosten wird. Für eine Schweizer Toblerone wird man dann eben nicht mehr wie aktuell 6 Euro, sondern mehr als 10 Euro bezahlen müssen.
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