Euro erwacht aus Dornröschenschlaf
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Euro erwacht aus Dornröschenschlaf

Hat Mario Draghi die Skeptiker besiegt? Zieht man die Kursentwicklung des Euros gegen dem Schweizer Franken zu rate, lässt sich dem zustimmen. Der EUR/CHF-Kurs stieg im laufenden Jahr von 1,06 auf 1,17 (+10,38%). Die Eurozone steht in einem zentralen Währungsaspekt besser da, als zu ihrer Blütephase zwischen 2002 und 2007. Es ist daher verständlich, dass Mario Draghi wie ein Rohrspatz über seine schlechte Presse schimpft. Ist Notenpressen-Sozialismus tatsächlich die Optimallösung für Europa?

Euroland hat einen dicken Leistungsbilanzüberschuss von 350 Milliarden Euro. Vor der Finanzkrise stand hier im Mittel eine schwarze Null. Währungen von Ländern, in denen die Exporte die Importe übersteigen, werden in der langen Sicht vom Devisenmarkt belohnt. Exportüberschüsse sind Garant, dass man auf die Finanzierung seiner Schulden durch das Ausland nicht angewiesen ist. Die Türkei kann ein Lied davon singen, wenn es umgekehrt ist. Sie ist wegen einem Defizit auf ausländische Gläubiger angewiesen. Die türkische Währung Lira ist gerade gegen Euro und US-Dollar auf Redkordtiefs gefallen.

Der Außenhandelsüberschuss der Eurozone ist bisher nicht imstande den Euro auf 1,68 Franken zu heben. So viel war er im Herbst 2007 wert. Um dieses Kursniveau zu erreichen, bräuchte es höhere Zinsen, die Draghi und seine EZB-Kollegen meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Was würde passieren bei höheren Zinsen? Der Euro würde gegen den US-Dollar Richtung 1,30 marschieren, die Außenhandelüberschüsse gingen flöten, die Schulden der öffentlichen Hand und des Privatsektors in Italien, Spanien und Portugal wären untragbar.


"Es gibt in einigen Ländern Zeitungen, die von der Außenwelt abgeschirmt sind, weil sie ihre Landessprache verwenden. Die senden seit Jahren ständig die gleiche Nachricht, ohne Rücksicht darauf, wie die Realität aussieht", schimpfte Draghi unlängst über seine schlechte Presse. "Es ist eine Minderheit, die sich selbst völlig von internationalen Einflüssen abschirmt." Dass er sich so über die Presse echauffiert, ist schon wieder ein schlechtes Zeichen für den Euro. Wäre tatsächlich alles in bester Ordnung, könnte er sich zurücklehnen.

Das bestärkt jene, die sagen: Das Draghi-Kartenhaus werde irgendwann zusammenfallen. Notenpressen-Sozialismus führt auf kurz oder lang zu einer massiven Fehlallokation von Geld und Produktionskapazitäten. Das Ergebnis ist anämisches Wachstum und sieben magere Jahre, voraussichtlich von 2020-2027.

Der Schweizer Franken wäre dann nicht nur als Sicherer Hafen gefragt. Für die Eurozone geht es in die zweite Liga, wenn die globale Nachfrage nach Industriegütern Made in Eurozone abnimmt, weil die Chinesen vieles produzieren, was einst das Steckenpferd der Europäer war. Hinzu kommt: Der europäische Dienstleistungssektor fällt im Vergleich zu den USA immer weiter zurück.