Notenbank-Trio entzaubert die Franken-Fluchtwährung
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Notenbank-Trio entzaubert die Franken-Fluchtwährung

Der Schweizer Franken steht nicht mehr wie ein Fels in der Brandung. Dem Euro bleiben die Käufer bei der Stange und so steigt er auf 1,0908 Franken. Wegen einer konzertierten Impfung des Privatsektors ist der Euro für eine Überraschung gut. Grünes Licht für einen Anstieg des Devisenkurses über 1,10 kommt auch aus der Schweiz: Hier trübt sich der Konjunkturausblick ein.

Für den Dax ging es in den letzten Wochen um 13% auf 10.497 Punkte nach oben. Der Benchmark-Index für die Eurozone, der Euro Stoxx 50, erhöhte sich um 11% auf 2.997 Zähler. Börsen-Bullen ist das nicht genug. Auf dem Parkett in Frankfurt will man noch einmal 250 Punkte auf den Dax draufpacken. Dann läge das Börsenbarometer für 2016 in der Gewinnzone.

Derweil verliert die Schweizer Wirtschaft an Traktion. Im Juni befand sich die Konjunktur gemäß dem Beratungsunternehmen Sentix in einem "Aufschwung". Die neueste Datenerhebung zeigt nun, dass es sich nur noch um einen "leichten Aufschwung" handelt. Die Eurozone und Deutschland konnten hingegen ihre Vor-Brexit-Stände "leichter Aufschwung" (Eurozone) und "Aufschwung" (Deutschland) verteidigen.

Die EZB hat überraschend viele Unternehmensanleihen gekauft. Die monatlichen Käufe beliefen sich seit dem Start des Programms Anfang Juni im Schnitt auf 7,5 Milliarden Euro, wie nun bekannt wird. Zusammen mit der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die Aktien kauft, und der Bank von England (BoE), die nun auch damit anfängt Unternehmensanleihen zu kaufen, wirken die Eingriffe wie eine Impfung des Privatsektors.

Die drei wichtigsten Notenbanken Europas weiten ihre Käufe vom öffentlichen Sektor immer stärker auf den Privatsektor aus. Weil das Geld bei den Zentralbanken extrem locker sitzt - sie können davon so viel drucken, wie sie wollen - hellt sich die Stimmung auf. Neben den Aktienmärkten geht es auch auf den Wohungsmärkten in der Eurozone inzwischen wieder hoch her.

Ergebnis:
Das Wachstum in der Eurozone zieht nach einem schwächeren zweiten Quartal an. Impulse kommen vom Konsum, dem Immobilienmarkt und steigenden Exporten in Emerging Markets wie China und Indien. Die Notenbanken sichern die Erholung an den Finanzmärkten ab. Auch davon profitiert der Euro. Der Schweizer Franken verliert, weil sichere Häfen momentan nicht gebraucht werden und die Schweizer Konjunktur an Dynamik verliert.