Schweiz beichtet Verdoppelung ihrer Euro-Stützungskäufe
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Schweiz beichtet Verdoppelung ihrer Euro-Stützungskäufe

Der Euro hat es nicht verdient 1,09 Franken wert zu sein. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wirft ihre Gelddruckmaschine an, um den EUR/CHF-Kurs zu stabilisieren. In Europa manipulieren die Notenbanken um die Wette. Neben der Europäischen Zentralbank (EZB) wäre da zum Beispiel die tschechische Notenbank, die das Mindestkurs-Modell der Schweiz übernahm. Ungarn lässt seinen Forint nicht stärker als 310 per 1 Euro werden.

Die Devisenreserven der SNB erhöhten sich von 571 Milliarden Franken im Februar auf 576 Milliarden Franken im März, übermittelt die Schweizer Notenbank an den Internationalen Währungsfonds (IWF). Der Anstieg dürfte zu einem großen Teil auf Interventionen zurückgehen. Der Franken hat sich zum Euro im März kaum verändert, während er zum US-Dollar stärker wurde.

Hätte die SNB nicht interveniert, wären ihr Devisenreserven aufgrund des Wechselkurseffektes kleiner geworden. Von den knapp 576 Milliarden Franken stecken 42% im Euro und 32% im US-Dollar. Weil der Franken zum Dollar im Berichtszeitraum von USD/CHF 0,9980 auf 0,9615 um knapp 5% aufwertete, hätten die Devisenreserven um etwa 8 Milliarden Franken auf 563 Milliarden Franken erodieren müssen.


Es lässt sich daher mit Fug und Recht behaupten, dass die SNB nicht wie auf den ersten Blick mit fünf Milliarden Franken, sondern mit etwa 13 Milliarden Franken intervenierte. Das wären pro Handelstag 650 Millionen Franken zur Aufpäppelung des EUR/CHF-Kurses und damit mehr als doppelt so viel wie in der zweiten Jahreshälfte 2015, als der SNB tägliche Interventionen von 300 Millionen Franken nachgesagt wurden.

Die Entwicklung der Devisenreserven zeigt, dass die freien Marktkräfte mit einem Eurokurs von 1,09 Franken nicht einverstanden sind. Ohne den steten Interventions-Tropfen der SNB wäre der Euro wahrscheinlich bei 1,05 Franken, vielleicht sogar auf der Parität.

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Während die Europäische Zentralbank (EZB) über einen weichen Euro versucht die Inflation anzuheizen, schirmt sich Tschechien mit einem Euro-Mindestkurs von 27 Kronen ab. Ungarn hat einen Euro-Mindestkurs bei 310 Forint, räumt das aber offiziell nicht ein. Was vor den Zeiten des Euros in Westeuropa stattgefunden hat, nämlich notenbankseitige Auf und Abwertungen von DM, Pfund, Franc und Lira, hat sich nach Osteuropa verlagert.