Die Lage spitzt sich für den EUR/CHF-Kurs zu
Home » » Die Lage spitzt sich für den EUR/CHF-Kurs zu

Die Lage spitzt sich für den EUR/CHF-Kurs zu

Der Euro kann aus einer gefährlichen Schweizer Deflationsspirale kein Kapital schlagen, und so bleibt dem EUR/CHF-Wechselkurs ein erneuter Anstieg über 1,10 vorerst verwehrt. Deutschlands Wirtschaft ist nicht so stark, wie bisher angenommen. Von den Konsumenten im Euroraum hätte man sich angesichts rekordtiefen Ölpreisen auch ein wenig mehr versprochen. Aktuell steht der Euro 1,0915 Franken. In der Schweiz muss man für 1 Franken umgerechnet 0,9162 Euro hinblättern.

Kommt die Schweizer Wirtschaft aus dem Tal der Tränen wieder heraus? Die Preise sinken auf breiter Flur. Verbraucher haben einen Anreiz in der Annahme weiterer Preisrückgänge einen Teil ihre Ausgaben für Waren und Dienstleistungen in die Zukunft zu verschieben. Unternehmen - viele von ihnen haben sich von der plötzlichen Aufwertung des Frankens zu Jahresbeginn immer noch nicht erholt - verschieben Investitionen in die Zukunft.

Die Verbraucherpreise in der Schweiz lagen im September 2015 um 1,4% niedriger als im September 2014, teilt das Bundesamt für Statistik in Neuchâtel mit. Bereits im August hatte die Inflation mit -1,4% gekränkelt. Unter Volkswirten ist es Konsens, dass eine stabile Inflation von 2% für die wirtschaftliche Prosperität eines Landes am besten ist. Von einer solch gesunden Inflationsentwicklung ist die Schweiz inzwischen fast doppelt so weit entfernt wie die Eurozone, wo die jährliche Teuerung zuletzt bei -0,1% lag.

Auch die deutsche Wirtschaft ist nicht frei von Konjunktursorgen. Der Auftragseingang in der Industrie fällt den zweiten Monat in Folge, meldet das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Analysten haben mit einem Anstieg gerechnet. "Die Auftragseingänge entwickelten sich nach der starken Belebung im zweiten Quartal zuletzt schwach", erläutert das Bundeswirtschaftsministerium. Noch ist unklar, ob die Rückgänge auf Ferieneffekte oder eine allgemeine Abkühlung der industrielastigen deutschen Wirtschaft zurückzuführen sind.

Im Euroraum macht sich etwas Ernüchterung breit, weil die Einzelhandelsumsätze stagnieren. Die Verbraucher haben wegen niedrigen Preiseb für Energie und Lebensmittel mehr Geld zur Verfügung. Sie bleiben aber vorsichtig, wohl wissend, dass die Öl- und Benzinpreise genau so schnell wieder steigen können, wie sie gefallen sind.


Derweil spitzt sich die EUR/CHF-Kursentwicklung zu. Das Auf und Ab nahm in den vergangenen Wochen immer weiter ab. Dies führte zu einer Einkeilung. Der Euro habe sich nach seinem Anstieg von 1,03 auf 1,1050 Franken eine Verschnaufpause gegönnt, sagen Charttechniker. Geringe Kursschwankungen dürften aber ein vorübergehendes Phänomen bleiben, weil:
  • die Schweizerische Nationalbank (SNB) nur noch ab und an stabilisierend eingreift,
  • die Handelsumsätze im Oktober und November steigen,
  • die Europäische Zentralbank (EZB) nicht mehr lange unscharf bleiben dürfte, wenn es um eine Aufstockung ihres Wertpapiekaufprogramms geht.