Schweizer Notenbank hat nichts mehr zu verlieren
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Schweizer Notenbank hat nichts mehr zu verlieren

Der Euro schrammt gegenüber dem Schweizer Franken nach einer Kampfansage von SNB-Chef Jordan hauchdünn an 1,05 vorbei. Was hat die Durchhalteparole zu bedeuten? Die Schweizerische Nationalbank (SNB) äußerte sich ganz ähnlich kurz vor dem Mindestkurs-Schock. Jene, die damals ihren Aussagen vertrauten, zog sie eiskalt den Boden unter den Füßen weg.

"Wir konzentrieren uns jetzt auf Devisenmarktinterventionen, um den Druck auf den Schweizer Franken zu begrenzen", sagt der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, der Zeitung "Tribune de Geneve". Das Interview wird Samstagabend veröffentlicht. Devisenhändler werden das zur Kenntnis nehmen, und den Euro-Franken-Kurs etwas hochkaufen, möchte man meinen.

Pustekuchen! Der Euro fällt gleich zum Wochenauftakt auf 1,0504 Franken. Und die SNB hat jede Menge Arbeit die Devisennotierung über 1,05 zu halten. Die gegenwärtige Konstellation erinnert an die Verteidigung des Mindestkurses. Seinerzeit stemmte sich die SNB gegen ein Absinken des Euros unter 1,20 Franken. Sie musste schließlich aufgeben.

Linienchart EUR/CHF-Kurs 2015-2020 mit Franken-Schock und Corona-Schock

Wenige Tage vor dem Frankenschock am 15.01.2015 hatte der damalige SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine die Euro-Stützgrenze bei 1,20 Franken als Eckpfeiler der Geldpolitik der bezeichnet. Im Dezember 2014 teilte die SNB zum Ziel Mindestkurs-Verteidigung mit: "Die Nationalbank wird deshalb den Mindestkurs weiterhin mit aller Konsequenz durchsetzen. Zu diesem Zweck ist sie bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen."

Es ist daher verständlich, dass der Devisenmarkt auf die aktuellen Aussagen Jordans nicht viel gibt. Spekulanten werden jetzt die Schmerzgrenze austesten. Früher oder später wird der Eurokurs unter 1,05 Franken fallen. Jordan selbst spricht in der "Sonntagszeitung" von einem "enormen Aufwertungsdruck" beim Schweizer Franken aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie.

Dass der Franken so viel Wind unter den Flügeln hat, liegt wieder einmal an der Eurozone. So wird die Europäische Zentralbank (EZB) aller Voraussicht nach ihre Corona-Anleihenkaufprogramm um mindestens eine halbe Billion Euro auf 1,25 Billionen Euro aufstocken. Darüber hinaus rechnen Marktteilnehmer mit neuen Zinssenkungen.

Jordan ist bewusst gegen Windmühlen zu kämpfen. Die SNB kann und wird nicht so viel Geld drucken wie die EZB. Und so dürfte es ihm darum gehen, eine weitere Abschwächung des Euros gegenüber dem Schweizer Franken so lange wie möglich hinauszuzögern. Ob ihm das mit lauten Tönen, so wie er es jetzt mit den zwei Zeitungsinterviews versucht, gelingt, bleibt abzuwarten.

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