Warum Draghi die ultralockere Geldpolitik beenden muss
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Warum Draghi die ultralockere Geldpolitik beenden muss

Es sieht ganz nach einer Bundesanleihen-Blase aus. Die EZB dürfte daher versuchen auf der anstehenden Sitzung etwas gegenzusteuern. Ein paar hawkishe Töne einstreuen, um den Anschein zu erwecken, dass dem 0%-Notenbanker Draghi und seiner südeuropäischen Entourage auch etwas anderes einfällt, als immer nur Geld mit der Notenpresse zu drucken.

Public Sector Purchase Programme (PSPP) - so nennt es die EZB, wenn sie Staaten Kredite gibt - wird als hocheffektive und innovative Geldpolitik der Zukunft verkauft. Der einzige Unterschied zur Weimarer Republik besteht darin, dass das Geld nicht mehr mit Schubkarren sondern per Computer-Tastendruck in die Wirtschaftskreislauf gebracht wird. Targeted longer-term refinancing operations (TLTRO): Hier werden Banken-Bailouts finanziert.

Corporate Sector Purchase Programme (CSPP): Die EZB gibt Unternehmen Kredite. Auch dem Möbelkonzern Steinhoff hat man das Geld frei nach dem Motto des Film Kir Royal "vorne und hinten reingeschoben". Der Absturz des Aktienkurses des Eigentümer der Poco-Möbelläden signalisiert nun, dass die EZB Verluste machen wird. Für diese Verluste muss der Steuerzahler geradestehen.

Wäre Draghi ein ausgezeichneter Zentralbanker, wäre er mit einem Drittel des Notenpressengeldes (einem Drittel des Risikos) ausgekommen, und das Wachstum der Eurozone wäre mindestens genauso stark.

EUR/CHF-Ausblick

Die EZB-Sitzung steht im Fokus der Bundesanleihen. Draghi muss Deutschland eins reinreiben, damit die Zinsen steigen. Beispielsweise könnte er die Gewerkschaften ermutigen, höhere Löhne zu fordern, etwas was Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny unlängst zur großen Empörung deutscher Arbeitgeber tat.

Sollte Draghi tatsächlich das Kunststück gelingen irgendetwas aus dem Ärmel zu zaubern, mit dem er die deutschen Zinsen hochbekommt und die südeuropäischen unten hält, wäre das für den EUR/CHF-Kurs eine gute Gelegenheit zu steigen. Mit Rückenwind vom EU-Gipfel hätte der Euro dann die Möglichkeit sich über 1,17 Franken, einer Marke, an der er seit Wochen zurückprallt, zu befestigen.


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