Zur Lage von Franken-Kreditnehmern in Österreich im Oktober
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Zur Lage von Franken-Kreditnehmern in Österreich im Oktober

Man wird den Eindruck nicht los, dass Österreichs Banker und Finanzaufseher sich zusammengetan haben. Wenn es um Fremdwährungskredite geht, kehren beide stets die negativen Aspekte heraus. Die Rolle der Österreichischen Nationalbank (OeNB) ist nicht minder bizarr: OeNB-Chef Ewald Nowotny trug und trägt maßgeblich dazu bei, den Euro aufzuweichen. Das ist ein seltsames Verständnis, wie man seine Landsleute bei der EZB vertritt.

Addiert man alle Fremdwährungskredite der Privathaushalte in Österreich auf, lag die Summe zur Jahresmitte 2016 bei 22,1 Milliarden Euro, teilte die Finanzmarktaufsicht (FMA) unlängst mit. Ein Jahr zuvor waren es noch 26,1 Milliarden Euro. Etwa 80% der Fremdwährungskredite sind endfällig vereinbart, 20% mit laufender Tilgung.

"Seit Anfang 2008 hat der Schweizer Franken bis 31. März 2016 um 51,4% aufgewertet und pendelte sich im zweiten Quartal des Jahres 2016 nach Aufhebung des Mindestkurses von 1,20 zwischen 1,0736 und 1,1123 ein", geben die FMA-Aufseher zu bedenken. Sie könnten natürlich genauso gut schreiben, dass der Euro seit dem Mindestkurs-Aus gegen den Schweizer Franken um 10%, bei genauer Betrachtung sogar um 20%, aufgewertet hat. Sie tun es aber nicht.

Weiterlesen: Banken wollen Kunden aus Franken-Krediten hinausbegleiten

Anfang Oktober 2016 ist 1 Euro 1,09 Franken wert. Damit ist der Wechselkurs genau in der Mitte zwischen seinem Post-Mindestkurs-Hoch vom Februar bei 1,12 und dem Brexit-Tief vom Juni bei 1,06.

Beim CHF 3-Monats-Libor hat sich die Lage aus der Sicht eines Franken-Kreditnehmers leicht verschlechtert. Der Referenzzins lag Ende Juni 2016 bei -0,77% und Ende September bei -0,75%. Bei der quartalsweisen Anpassung der Zinshöhe durch die Bank dürfte es also einen leichten Kostenanstieg geben.

Hier ein Beispiel für einen endfälligen Franken-Kredit, aufgenommen im September 2001 im Gegenwert von 150.000 Euro (228.000 Franken) mit einem Zinsaufschlag (Marge) von 1%:

Zinsberechnung September 2016:
  • Ein CHF 3-Monats-Libor von -0,75% zzgl. 1% Zinsaufschlag = 0,25% Kreditzins
  • 0,25% von 228.000 Franken = 570 Franken Zinsen pro Jahr
  • 570 Franken zum EUR/CHF-Kurs von 1,09 zurückgerechnet = 523 Euro
  • geteilt durch 4 = 131 Euro zu zahlende Zinsen für das 3. Quartal 2016

Zinsberechnung Juni 2016:
  • Ein CHF 3-Monats-Libor von -0,77% zzgl. 1% Zinsaufschlag = 0,23% Kreditzins
  • 0,23% von 228.000 Franken = 524 Franken Zinsen pro Jahr
  • 524 Franken zum EUR/CHF-Kurs von 1,08 zurückgerechnet = 485 Euro
  • geteilt durch 4 = 121 Euro zu zahlende Zinsen für das 2. Quartal 2016
Bei der Kreditaufnahme im Jahr 2001 lag der CHF 3-Monats-Libor noch bei 3,50%.

Zinsberechnung September 2001:
  • Ein CHF 3-Monats-Libor von 3,50% zzgl. 1% Zinsaufschlag = 4,50% Kreditzins
  • 4,50% von 228.000 Franken = 10.260 Franken Zinsen pro Jahr
  • 10.260 Franken zum EUR/CHF von 1,52 zurückgerechnet = 6.750 Euro
  • geteilt durch 4 = 1.688 Euro zu zahlende Zinsen für das 3. Quartal 2001

Ein stärkerer Euro hätte wegen so genannter Wohlfahrtsgewinne der vielen Franken-Kreditnehmer einen sehr positiven Effekt für Österreichs Wirtschaft. Denn die ist nicht so exportabhänig, und damit auch weniger wechselkursabhängig, wie die deutsche Wirtschaft oder die der Schweiz. Man sollte also meinen, dass sich OeNB-Chef Ewald Nowotny für österreichische Haushalte bei der Europäischen Zentralbank (EZB) wenigstens etwas verkämpft.

Falsch gedacht. Vor zwei Jahren, als die EZB den Leitzins überraschend gesenkt hat, gab Nowotny im österreichischen Fernsehen zu, dass man mit dieser Maßnahme ganz gezielt den Euro abschwächen wollte. Nowotny, dienstältestes EZB-Ratsmitglied, gilt als Claqueur des Draghi-Kurses. Im Gegensatz zum deutschen Bundesbankchef Jens Weidmann soll der OeNB-Chef für alle Lockerungspakete mitgestimmt haben, die Draghi ihm vorlegte.