CHF-Kredite: Das zweischneidige Schwert Negativzinsen
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CHF-Kredite: Das zweischneidige Schwert Negativzinsen

Negativzinsen entschädigen Franken-Kreditnehmer für den Wechselkursverlust. Sie müssen keine Zinsen mehr auf ihre Kredite zahlen. Nachdem die Zinsen bereits verschwunden sind, wird nun auch der 500-Euro-Schein abgeschafft. Investoren schäumen vor Wut. Die, die wirklich mit Geld umgehen können, sprechen von einem Horror. Franken-Kreditnehmer sind in der Regel Schuldner und Anleger zugleich, weshalb Strafzinsen für sie einem zweischneidigen Schwert gleichkommen.

"Negative Zinsen sind ein Horror. Sie sind die dümmste Idee, die ich je gesehen habe", sagt Jeffrey Gundlach im Gespräch mit der Schweizer Zeitung "Finanz und Wirtschaft". Gundlach gehört zu denen, die sich um die private Altersvorsorge für die breite Masse der Bevölkerung kümmern. Anleger haben ihm 95 Milliarden US-Dollar (85 Milliarden Euro) anvertraut. Gundlach ist Amerikas derzeitiger "Bond-König".

Im Hintergrund ziehen Notenbanker und Finanzindustrie die Daumenschrauben an. Am 4. Mai werde die Europäischen Zentralbank (EZB) darüber entscheiden, wie die Abschaffung des 500-Euro-Scheins vollzogen wird, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Banken behaupten, sie gäben Negativzinsen nicht an Privatkunden weiter. Sie tun das aber de facto schon, weil viele Geldhäuser die Gebühren für die Kontoführung erhöhen.

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Die Finanzarchitektur sei nicht dafür ausgelegt mit negativen Zinsen zu arbeiten, sagt Mohamed El-Erian, Chefberater für Volkswirtschaft bei Allianz Global Investors. "Zentralbanken sind wie Ärzte, sie bleiben immer beim Patienten. Obwohl sie die falsche Medizin haben, verschreiben sie immer weiter", erläutert El-Erian im Gespräch im CNBC.


Für Franken-Kreditnehmer sind negative Zinsen auf den ersten Blick erfreulich. Sind sie doch der Grund, warum man den Zinsdienst einstellen konnte. Die meisten haben neben dem Kredit einen Tilgungsträger mit Aktien und/oder Anleihen am laufen. Die Ansparprodukte halten nicht das, was versprochen wurde. Es werden kaum Zinserträge gutgeschrieben. Darüber hinaus führen negative Zinsen zu sinkenden Aktienkursen.

"Als sie (die EZB) letztes Jahr in die Offensive ging, lautete der Konsens, US-Aktien zu verkaufen und in europäische Titel zu investieren. Diese Strategie hat sich jedoch als katastrophal herausgestellt", streicht Gundlach heraus. Negative Zinsen führen somit dazu, dass im Tilgungsträger weniger angespart wird. Die zumeist endfälligen Franken-Kredite können (auch wegen des Wechselkursverlustes) nicht zur Gänze mit dem angesparten Geld zurückbezahlt werden. Es entstehen Deckungslücken.

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