Holt Draghi das Hubschrauber-Geld aus dem Giftschrank?
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Holt Draghi das Hubschrauber-Geld aus dem Giftschrank?

War das erst der Anfang? Mario Draghi hat noch ein Ass im Ärmel. Zum ersten Mal erwähnt die Europäische Zentralbank (EZB) das sogenannte Hubschrauber-Geld, also 500 Euro oder 1.000 Euro für jeden. Die Planungen einer Billiggeld-Aktion für die Frau und den Mann auf der Straße haben offenbar längst begonnen. Das Verteilen von Zentralbankgeld an die Bürger ist unausweichlich, durchleuchtet man die Ideologie der EZB.

Die Reaktion auf Maßnahmen wie die Abschaffung von Zinsen und die Aufstockung von Staatsanleihen-Käufen ist zunächst ernüchternd. An den Aktienmärkten geht es am Donnerstagabend rapide bergab. Am Freitag kommt dann die Trendwende, nachdem EZB-Vizepräsident Vitor Constancio rasch einen Artikel über die allmächtige EZB zusammenschustert und auf die Webseite der Notenbank stellt. Constancio bricht eine Lanze für die Geldpolitik und macht damit Börsianer glücklich.

Der Portugiese ist immer einer der ersten "an der Front", folgen die Finanzmärkte nicht der EZB-Ideologie. Unvergessen war Constancios Auftritt am Montag nach den Terroranschlägen in Paris, als er der "Reaktion der Märkte" ein positives Zeugnis ausstellte. An ein aufgescheuchtes Huhn erinnerte sein Auftritt im August 2015. Damals kam es zu einem steilen Anstieg des Euro auf 1,17 Dollar - ein absolutes No-Go für die EZB. Er drohte mit einer Ausweitung der Käufe von Staatsanleihen, um den Euro wieder einzufangen.

Constancios Artikel zur Aufhübschung der Märkte zeigt, wie die EZB-Direktoren und die Notenbankchefs zwischen Athen und Lissabon wirklich ticken. Deregulierungen der Arbeitsmärkte und mehr Jobs im Dienstleistungssektor wird da als eine Art Teufelszeug beschrieben, weil das zu niedrigeren Löhnen führen würde. Und die von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel sets geforderte Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit Südeuropas sei auch nichts, weil das Ergebnis eine höhere Produktivität und Jobverluste wären.


Die Europäische Zentralbank argumentiert wie eine südeuropäische Gewerkschaft. Die Funktionäre machen keinen Hehl daraus, dass ihnen eine hohe Arbeitslosigkeit lieber ist, als mehr Jobs im Dienstleistungsbereich. Es passt ins Bild, dass Constancio vor seiner Ernennung zum EZB-Vizepräsident Generalsekretär der sozialistischen Partei war, also jener Partei, die von 2005 bis 2011 mit absoluter Mehrheit regierte und Portugal in den Abgrund stürzte.

Bei der EZB ist man felsenfest davon überzeugt, dass es an der Nachfrage liegt. Staaten, Unternehmen und Verbraucher müssten mehr Geld ausgeben. An dieser Stelle erblickt das Hubschrauber-Geld das Licht der Öffentlichkeit. Die Verteilung von Bargeld an die Bevölkerung ist die logische Konsequenzen des Constancio-Kommentars, weil Strukturreformen gemäß der EZB-Ideologie ins Leere laufen.

Man habe nicht über Hubschrauber-Geld gesprochen, sagte Draghi auf der Pressekonferenz. Wer die EZB beobachtet, weiß jedoch, dass sich das schnell ändern kann, zumal Draghi das Hubschrauber-Geld nun erstmals in den Mund genommen hat. Die Europäische Zentralbank müsste gemäß ihrer Ideologie dann noch sicherstellen, dass sie den Euro-Bürgern das Geld per Banküberweisung und nicht als Bargeld zur Verfügung stellt. Nur so kann sich es gleich mit negativen Zinsen belegen.