1.000 Euro Bargeld für jeden: Warum eigentlich nicht?
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1.000 Euro Bargeld für jeden: Warum eigentlich nicht?

Die EU und der Euro stecken in einer schweren Krise. Es muss eine alles überstrahlende Aktion her, um die Bürger glücklich zu machen. Ihnen soll gezeigt werden, was sie an einem gemeinsamen Europa haben. Noch scheint es ein wildes Gedankenspiel, dass die Europäische Zentralbank (EZB) jedem Bürger 500 Euro oder 1.000 Euro schenkt. Doch das sogenannte Hubschrauber-Geld wird in Fachkreisen bereits heiß diskutiert.

Außerhalb Europas bekommt Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel viel Lob für ihre Flüchtlingspolitik. Innerhalb Europas ist Merkel isoliert und wird kritisiert. Man dürfe das Schicksal Europas nicht in Hände der Türkei legen, sagt die slowakische Regierung. Bei einem Arbeitsessen mit einem Chefredakteur ließ die Kanzlerin arabisches Essen servieren. Als der Zeitungsmensch dann witzelte, dass der Fisch wohl von einem Flüchtling gefangen wurde, soll sich Merkel sehr geärgert haben.

Es gebe nur einen Weg, wie die EZB eine drohende Deflation bekämpfen könne: Über das Konzept des sogenannten Hubschrauber-Geldes: Die Notenbank verschenke zur Konsumförderung direkt Geld an die Bürger, erläutert Willem Buiter, Chefökonom des US-Finanzriesen Citigroup, gegenüber dem Magazin "Spiegel". Mario Draghi wäre eine solche Aktion allemal zuzutrauen. Die EZB wird ja dieser Tage nicht müde zu betonen, dass sie noch jede Menge Instrumente zu Verfügung habe.


Das sogenannte Hubschrauber-Geld basiert auf einer Idee des US-Ökonomen Milton Friedman von 1969. Geld aus dem Hubschrauber zu werfen, das die Bürger dann aufsammelten, sei demnach eine sicherer Weg die Wirtschaft anzukurbeln und eine Deflation zu bekämpfen. Gemäß Ray Dalio, dem Manager eines der weltgrößten Hedgefonds, könnte es auf Einkaufsgutscheine hinauslaufen. Dies hätte den Vorteil, dass die Bürger das Geld nicht auf die hohe Kannte legen.

Weil die EZB den 500-Euro-Schein abschaffen wird (und danach wohl auch den 200-Euro-Schein), würden Einkaufsgutscheine Sinn machen. Draghi scheint auf jeden Fall der optimale Kandidat für Hubschrauber-Geld zu sein. Was vor einigen Jahren noch undenkbar war, nämlich der massenhafte Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB, stört mittlerweile niemand mehr. Merkel dürfte sogar froh sein. Hat sie doch wegen der Zinsersparnis mehr Geld für ihre Flüchtlingspolitik. Auf die gleiche Art und Weise könnte Draghi den Einstieg in das Hubschrauber-Geld bereiten.

Draghi legt auf die Nachbearbeitung seiner Maßnahmen hohen Wert. Der Italiener klopft sich einige Monaten nach seinen Aktionen regelmäßig selbst auf die Schulter. Er spricht dann etwa von einem großen Erfolg der Staatsanleihe-Käufe oder sagt, dass die Langfristkredite für Banken eine schwere Kreditklemme abgewendet hätten. Hubschrauber-Geld könnten die EZB als Rettung der EU und des Euro verkaufen.

Zum Thema:
"Die Ja-Sager von der EZB", Süddeutsche Zeitung 02.02.16