Gibt es jetzt frisches EZB-Billiggeld für Italo-Banken?
+++ Euro steigt auf 1,0848 Franken (11:48 Uhr) +++
Exportüberschüsse Triebfeder des Euro-Anstiegs...>
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Gibt es jetzt frisches EZB-Billiggeld für Italo-Banken?

Der Euro bekommt für kurze Zeit die volle Wucht der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zu spüren. Aus der Chance auf einen Anstieg über 1,10 Franken wird das Risiko eines Rückfalls unter 1,09 Franken. Die Aussicht auf noch mehr Billiggeld ist nichts Neues. Dass Notenbankchef Mario Draghi allerdings so konkret werden würde, damit hat man nicht gerechnet. Draghi nutzt seine einflussreiche Stellung, um italienischen Banken unter die Arme zu greifen.

Vor einer Woche war 1 Euro noch bis zu 1,0985 Franken wert. Eine Woche später sind es 1,0915 Franken. Was war passiert? EZB-Chef Mario Draghi hat eine weitere Lockerung der Geldpolitik für März 2016 in Aussicht gestellt.

Wegen der schwachen Inflation im Lichte von Turbulenzen an den Finanzmärkten und Energiemärkten "wird es erforderlich sein, die geldpolitische Ausrichtung auf dem nächsten Treffen Anfang März zu überprüfen und nochmals zu überlegen", sagt Draghi. In der verklausulierten Sprache eines EZB-Zentralbankers bedeutet das: Es steht eine erneute Senkung des Einlagenzinses (aktuell: -0,30%) und/oder eine Ausweitung der Käufe von Staatsanleihen auf der Agenda.


Der Euro legt die Worte Draghis nicht auf die Goldwaage. Er erholt sich relativ schnell auf 1,0950 Franken. Ob Draghi tatsächlich lockern kann, ist fraglich. Denn schwächelnden Absatzmärkte in den aufstrebenden Volkwirtschaften wie China und Brasilien kann die Euroraum-Wirtschaft durch tiefe Ölpreise, die wie Steuererleichterungen wirken, ausgleichen. Konjunkturtechnisch ist eine EZB-Lockerung somit nicht geboten.

Draghis eigentliche Absicht könnte darin liegen, Aktienkurse aufzuhübschen und Volatilität zu unterdrücken. Die unter erheblichen Verkaufsdruck geraten italienischen Banken brauchen offenbar eine Pause. Die Italiener sind bekannt dafür, ihnen unliebsame Entwicklungen an den Finanzmärkten verbieten zu wollen. Während der Finanzkrise wollte die Regierung in Rom den Börsenhandel mehrere Tage aussetzen. Amerikaner und Briten haben da freilich nicht mitgemacht.