EUR/CHF-Kurs gerät ins Fadenkreuz von Spekulanten
+++ Eurokurs aktuell bei 1,0760 Franken +++
Der Franken bleibt deutlich überbewertet ;-)
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EUR/CHF-Kurs gerät ins Fadenkreuz von Spekulanten

Der Eurokurs nimmt Tuchfühlung mit der Schmerzgrenze der eidgenössischen Notenbank bei 1,03 Franken auf. Zentralbankchef Thomas Jordan räumt zum ersten Mal seit der Aufhebung des Mindestkurses offiziell ein, dass man wieder Euro-Stützungskäufe tätigt. Das könnte sich als ein großer Fehler herausstellen.

Aktuell notiert der Euro bei 1,0370 Franken, nachdem er zuvor dank Doping der Schweizerischen Nationalbank (SNB) auf 1,0440 klettern konnte. SNB-Präsident Jordan spricht von einem  stabilisierenden Auftreten am Markt. Im Klartext: Man hat den Euro gestützt. Was als Beruhigungspille gedacht ist, hat Konsequenzen für die Wechselkursziele und die Glaubwürdigkeit der SNB.

Seit zwei Monaten wird bereits darüber gemunkelt, dass es einen inoffiziellen Euro-Mindestkurs bei 1,03 Franken gibt. Hintergrund ist das wiederholte Zurückprallen des Eurokurses an dieser Stelle in Verbindung mit einem Anstieg der Sichtguthaben schweizerischer Banken bei der SNB. Letzteres ist ein Indiz für Devisenmarktinterventionen in Form von Euro-Stützungskäufen.

"In den nächsten Tagen und eventuell Wochen wird die SNB das bestehende Instrumentarium nutzen. Das heißt, direkte Interventionen am Devisenmarkt ohne Bekanntgabe einer expliziten Untergrenze" sagt der Chefökonom Daniel Kalt von der UBS im Gespräch mit cash.ch. "Wenn der Druck allerdings noch viel stärker wird, ist ein tieferer Griff in den Giftschrank durchaus denkbar."

Spekulanten könnten versuchen die Unsicherheit über den Zusammenhalt der Eurozone zu nutzen, indem sie auf einen sinkenden Euro-Franken-Kurs wetten. Irgendwann wird die SNB nachgeben müssen. Zum einen muss sie Firepower für das Jahresende aufheben, wenn sie den Euro etwas pushen dürfte, um die in ihren Büchern stehenden Bilanzverluste aufzuhübschen.

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Zum anderen hat sie mit ihrem Entscheid den Mindestkurs aufzugeben einen Wechsel der Geldpolitik vollzogen. An oberster Stelle steht seit Januar nicht mehr die Bekämpfung von Deflationsgefahren, sondern die Minimierung der Bilanzrisiken. Unbegrenzte Euro-Stützungskäufe bei 1,03 Franken wären eine neue Kehrwende, die SNB würde den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verlieren.