Bares in Schweizer Franken ist Wahres
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Bares in Schweizer Franken ist Wahres

Um nicht von negativen Zinsen erwischt zu werden, horten die Schweizer Bargeld. Besonders beliebt ist die 1000-Franken-Note. Die Nachfrage nach der wertvollsten Banknote der Welt kletterte seit Jahresbeginn um acht Prozent, melden die Schweizer Banken. In Deutschland und Österreich kommt wegen der Inflationsmaschine der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum jemand auf die Idee 500-Euro-Scheine in einem Schließfach zu verwahren.

In der Schweiz kann man ein kleines Schließfach ab 50 Franken pro Jahr bei einer Bank mieten. In einem solchen Fach lassen sich problemlos mehr als eine Million Franken verstauen. Die Bargeldhortung boomt, weil Anleger Angst vor negativen Zinsen haben. Hintergrund sind tiefgreifenden Entscheidungen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von Jahresbeginn. Neben der Mindestkurs-Aufhebung senkte die SNB ihre Leitzinsen tief ins negative Terrain.

Ein Blick auf die Inflation zeigt, dass Bargeldhorter alles richtig machen. Die Schweizer Inflationsrate lag im Mai 2015 bei -1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Es gibt keine Geldentwertung. Vielmehr werden die in Tresoren und Schließfächern eingelagerten Banknoten immer mehr wert. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Gemäß den SNB-Prognosen wird die Inflation im Jahr 2016 im Mittel bei -0,5 Prozent liegen.

"Wir argumentieren seit langem, dass eine noch expansivere Geldpolitik (der SNB) die Abschaffung (oder Besteuerung) von Bargeld voraussetzen würde", sagt der Ökonom Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Soweit dürften die Währungshüter aber nicht gehen, woraus Leuchtmann ableitet, dass der Euro-Franken-Kurs sinken wird. Den aktuellen Wechselkursprognosen der Commerzbank zufolge wird der Euro bis September 2015 auf 0,99 Franken und bis September 2016 auf 0,95 Franken absacken.

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Die Gemeinschaftswährung konnte sich zuletzt etwas erholen. Bis auf 1,0555 Franken kletterte der Euro. Die Stände von vor einem Jahr, als der Wechselkurs bei 1,2650 notierte, bleiben weit entfernt. Eine Rückkehr auf das Allzeithoch vom Oktober 2007 bei 1,6830 ist wegen der Inflationsmaschine der Europäischen Zentralbank unvorstellbar.

Die EZB kauft Staatsanleihen und weitet die Geldmenge und das Angebot von Euros aus. Die Inflation soll auf zwei Prozent angeheizt werden. Es könnte auch ein bisschen mehr werden, weil EZB-Präsident Draghi höhere Teuerungsraten nicht so schlimm zu finden scheint. Nach seinem Amtsantritt im November 2011 lag die Teuerung im Euroraum für eine längere Zeit über zwei Prozent.

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