Draghi dezimiert Euro auf 1,2165 Franken
+++ Euro steigt auf 1,0686 Franken (3-Wochenhoch) +++
Der Euro braucht nicht länger ein Schweizer Stützkorsett...>
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Draghi dezimiert Euro auf 1,2165 Franken

Der Wechselkurs des Euros zum Schweizer Franken hat auf die Lockerungen der Europäischen Zentralbank (EZB) mit deutlichen Verlusten reagiert. Nachdem Notenbankchef Mario Draghi neben Zinssenkungen auch ein 400 Milliarden Euro Hilfsprogramm für Südeuropa aus dem Ärmel zauberte, sinkt das Devisenpaar auf den tiefsten Stand seit fünf Wochen.

1 Euro kostete zuletzt lediglich 1,2165 Franken. Vor drei Handelstagen waren es noch 1,2225. Draghi hat die Charttechnik auf den Kopf gestellt. So musste der Eurokurs in den letzten Stunden die 50-Tage-Linie preisgeben. Ein Anstieg zur 200-Tage Linie in Verbindung mit einem Bruch der Widerstandszone bei 1,2250-1,2260 rückt in die Ferne. Eine solche Konstellation hätte ein Kaufsignal ausgelöst.

Giftpfeile

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte gestern den Leitzins von 0,25 Prozent auf 0,15 Prozent sowie den Einlagenzins von 0,00 Prozent auf -0,10 Prozent. Darüber hinaus will sie mit einem 400 Milliarden Euro Kreditprogramm die Wirtschaft in Südeuropa ankurbeln.

Das zwischen 2010-2012 über die Notenpresse gedruckte Geld zum Erwerb von Staatsanleihen krisengeschüttelter Euroländer soll nicht mehr aus dem Markt zurückgeholt werden. Experten bezeichnen diese Lockerungsmaßnahme als Ende der Sterilisierung, wodurch weitere 165 Milliarden Euro in die Märkte gepumpt werden.

Ein weiterer Giftpfeil, den die EZB auf den Euro-Franken-Kurs schießt, ist die Verlängerung des so genannten Vollzuteilungsverfahren. Banken können nun ohne Mengenbeschränkung bis ins Jahr 2016 zum Leitzinssatz Geld leihen. Darüber hinaus bereite man sich auf den Ankauf von verbrieften Unternehmenskrediten vor, sagte Draghi.

Mit so vielen Giftpfeilen hatte der Euro-Franken-Kurs offenbar nicht gerechnet. Sollte der Verkaufsdruck anhalten, könnte der Euro auf das 14-Monatstief vom März bei 1,2103 Franken zurückgeworfen werden und die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu getarnten Euro-Stützungskäufen veranlassen.

Am Markt halten sich hartnäckige Gerüchte, wonach die SNB einen Absturz des Euros unter 1,21 Franken unbedingt vermeiden wolle.