Euro ignoriert Rezessionsgespenst, CHF fällt auf 1,2102 pro €
+++ Euro mit Wochenschluss bei 1,1580 Franken +++
Hochstimmung: Der Euro nimmt Kurs auf 1,20 Franken...>
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Euro ignoriert Rezessionsgespenst, CHF fällt auf 1,2102 pro €

Der Eurokurs steigt gegenüber dem Schweizer Franken von 1,2090 auf 1,2101. Schwache Konjunkturdaten aus der Industrie der Eurozone stehen dabei nicht im Weg. Vielmehr lässt sich das Devisenpaar von einem Anstieg des Euro Dollarkurses über 1,30 mitziehen. Viele Deutsche bleiben trotz der Schuldenkrise dem Euro treu. Den Franken sieht man nicht (mehr) als Alternative.

Rezessionen können dem Eurokurs derzeit nicht viel anhaben. Das Ifo Geschäftsklima sank zum sechsten Mal in Folge und steht nun bei 100 Zähler. Das ist der tiefste Stand seit Anfang 2010. Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) aus dem Verarbeitenden Gewerbe bestätigen die Ifo-Zahlen. Der deutsche PMI fiel auf 45,7 Punkte nach 47,4 Zählern im Vormonat. Die Wachstumsschwelle bei 50 Punkten entfernt sich immer weiter.

Viele Deutsche wollen nicht mehr im „System-Schweiz“ ihr Geld anlegen. Es gebe keine größere Tendenz, dass deutsche Sparer ihr Geld aus dem Euro in Fremdwährungen umtauschten, erklärt Martin Schulte vom Verband der Auslandsbanken in Deutschland (VAB) gegenüber der „Frankfurter Rundschau“.

System-Schweiz

Die Schweiz hat ein äußerst wettbewerbsfähiges Wirtschaftsmodell entwickelt, das selbst von der Eurokrise kaum tangiert wird. Die Schweizer Wirtschaft wächst weiterhin mit mehr als einem Prozent, die Arbeitslosigkeit liegt deutlich unter vier Prozent, während die Leistungsbilanzüberschüsse bei 12 Prozent sprudeln.

Wer ein wenig genauer hinsieht, findet das Kalkül der Schweiz nicht ganz unproblematisch. Man lotst teuer im Ausland ausgebildete Akademiker mit sehr hohen Löhnen in die Schweiz. Dass die Schweizer Industrie die hohen Löhne bezahlen kann und dennoch wettbewerbsfähig ist, liegt an den niedrigen Zinsen und der fast ein Jahrzehnt dauernden Unterbewertung des Frankens.

Durch die hohen Leistungsbilanzüberschüsse der Schweiz, die mittlerweile doppelt so groß sind wie die der Deutschen, hat man jede Menge Geld zum anlegen. Das verteilt man gerne im Euroraum und Osteuruopa als Franken-Kredit. Die Kredite laufen über Korrespondenzbanken, so dass die Rückzahlung auf jeden Fall gesichert ist.

Dem Schweizer Finanzsystem ist es gleichgültig, ob eine Kommune wegen eines Franken-Kredites durch den Steuerzahler "rekapitalisiert" werden muss oder ein österreichische Franken-Kreditnehmer Haus und Hof verliert. Die Korrespondenzbank haftet, und weil im Euroraum keine Bank Pleite gehen darf, müssen sich die Eidgenossen keine Sorgen machen.