Zur Lage von Franken-Kreditnehmern im August 2019
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Zur Lage von Franken-Kreditnehmern im August 2019

"Persönlich denke ich doch, dass die 1,08, die wir vorgestern gesehen haben, womöglich dann doch die Spitze des Eisberges sein könnten und das Ganze sich wieder in Richtung 1,10 normalisieren sollte." Das sagt Werner Böhler, Chef der Dornbirner Sparkasse, im Gespräch mit dem ORF. Insofern würde es Sinn machen, kurzfristig an einem Franken-Kredit festzuhalten.
  • Kann sich der Euro wie vom Sparkassen-Chef prognostiziert tatsächlich bei 1,08-1,10 Franken befestigen?
  • Ist gar ein Anstieg auf 1,15 Franken drin? So viel kostete der Euro zuletzt im April 2019.
  • Oder kommt es zu einem Rückfall auf 1,06. So wenig gab es für den Euro vor der Frankreich-Wahl im Frühjahr 2017 und unmittelbar nach dem Brexit-Volksentscheid Mitte 2016.
Anders als der Euro-Franken-Kurs nimmt der CHF 3-Monats-Libor aus der Sicht von Franken-Kreditnehmern einen fabelhaften Verlauf. Er sank in den letzten zwei Monaten von -0,71% auf -0,79%. Der CHF 1-Monats-Libor ist bereits seit Jahresbeginn in einer Abwärtsbewegung. Er purzelte von -0,77% auf -0,82%.

Wegen weiter sinkenden CHF Libor-Sätzen können sich viele der verbleibenden Franken-Kreditnehmer in Österreich zu 99% sicher sein, keine Zinsen bis zum Ende ihrer Kreditverträge zu bezahlen. Daher ist eine Konvertierung in einen fixverzinslichen Euro-Kredit mit Blick auf die Zinsen völlig uninteressant. Für ein zehnjähriges Darlehen verlangen Österreichs Banken einen Jahreszins nördlich von 1,5%.

Weiterlesen: Fremdwährungskredit-Risiken

"Man habe als Bank intensive Gespräche mit den (Franken-) Kreditnehmerinnen und Kreditnehmern geführt und auch Möglichkeiten aufgezeigt, und auch die individuelle Situation immer beleuchtet und gefragt: Was ist für denjenigen die richtige Maßnahme", erläutert Böhler. Er verweist ferner auf die niedrigen Euro-Zinsen und suggeriert, dass neue Kreditnehmer beim Kauf einer Wohnung oder dem Bau eines Hauses höhere Kaufsummen stemmen können.

Bananenrepublik


Dabei sind die Bauzinsen in Österreich gar nicht so niedrig. In Deutschland verlangen die Banken für einen zehnjährigen Euro-Fixzinskredit aktuell einen durchschnittlichen Jahreszins von 0,86% (Quelle: biallo.de). Das ist die Hälfte dessen, was in Österreich Gang und Gäbe ist. Denn in der Alpenrepublik herrscht bei den Zinsen eine nicht mehr zeitgemäße Intransparenz.

Während ein deutscher Kreditnehmer auf Internet-Vergleichsportalen in wenigen Sekunden die aktuelle Höhe der Bauzinsen ermitteln kann, ist Österreich in dieser Hinsicht eine Bananenrepublik. Es gibt keine Vergleichsportale. An dieser Stelle müsste die Finanzmarktaufsicht (FMA) ansetzen, in dem sie die Banken verpflichtet, die Kreditzinsen transparenter zu machen.

Ein Franken-Kreditnehmer könnte sich dann ein ziemlich gutes Bild machen, ob eine Konvertierung in einen Euro-Kredit für ihn in Frage kommt. Es wäre technisch und administrativ problemlos möglich über eine effiziente Online-Konvertierungsschiene den Fremdwährungskreditabbau, den sich die FMA wünscht, zu beschleunigen. Die Banken wollen jedoch nicht mehr Zinstransparenz, weil ein zu starker Wettbewerb ihre Zinsmargen und damit auch ihre Gewinne verkleinern würde.

Die optimale Konvertierung


Ein Beispiel:
Der Euro steigt aus heiterem Himmel auf 1,15 Franken. Ein Franken-Kreditnehmer in Österreich prüft daraufhin eine Umschuldung in einen Euro-Kredit auf einem Online-Vergleichsportal. Er gibt dort seine zentralen Daten, wie Laufzeit des Franken-Kredits, Wechselkurs bei Kreditaufnahme, Zinsaufschlag ein. Er muss keine persönliche Daten wie Name, Telefonnummer, Email angeben.

Er bekommt eine Aufstellung, was er beim Wechselkurs verloren und bei den Zinsen im Vergleich zu einer Euro-Finanzierung gewonnen hat. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über Zinskosten und Tilgung des anvisierten Euro-Kredits.

Der Franken-Kreditnehmer schläft ein oder zwei Nächte über das Ganze und entscheidet sich schließlich in den Euro-Fixzinskredit zu konvertieren. Der Euro-Franken-Kurs steht derweil immer noch bei 1,15. Er fotografiert seinen CHF-Altvertrag und lädt die Dateien über eine gesicherte Verbindung auf der Webseite der Bank hoch. Die Bank schickt ihm daraufhin die notwendigen Vertragsunterlagen per Post zu.

Nach zwei Tagen sind die Vertragsunterlagen in seinem Briefkasten. Er unterschreibt sie und schickt sie unter dem Vorbehalt, dass der Vertrag nur zustande kommt, wenn die Konvertierung mindestens zu einem Eurokurs von 1,14 Franken vorgenommen wird, an die Bank zurück. Sollte der Euro bis der unterschriebene Kreditvertrag bei der Bank eintrifft ruckartig auf 1,10 Franken zurückfallen, käme der Vertrag nicht zustande.

Der Euro pendelt sich aber bei 1,14-1,15 Franken ein. Die Bank bestätigt ihm den Eingang der Unterlagen. Die Konvertierung wird zu einem Euro-Franken-Kurs von 1,1450 durchgeführt und so kommt der Vertrag zustande. Die Bank sendet ein Exemplar des von ihre gegenzeichneten Vertrags per Post an den Kreditnehmer zurück.

Ergebnis:
Das Beispiel zeigt, dass sich eine Umschuldung in einen Euro-Kredit in ca. 4-5 Bankarbeitstagen abwickeln lässt. Dem stünde auch ein Wechsel zu einer anderen Bank nicht entgegen. Wer in Deutschland mit seinem auslaufenden Baukredit zu einer neuen Bank will, weil diese im niedrigere Zinsen bietet, kann das sehr bequem tun. Die Banken regeln das untereinander. Der Kreditnehmer muss lediglich einen entsprechenden Auftrag unterschreiben.