Wird Draghis Inflationssoße für den EUR/CHF ein Hochgenuss?
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Wird Draghis Inflationssoße für den EUR/CHF ein Hochgenuss?

Der Euro hat 2018 bisher knapp 4% gegenüber den Schweizer Franken eingebüßt. So sank der EUR/CHF-Kurs von 1,17 zu Jahresbeginn auf 1,13 Mitte September. Es gibt nicht wenige hochbezahlte Banker, die mit einer Trendumkehr rechnen. Dahinter steckt in der Regel die Annahme einer Normalisierung der EZB-Geldpolitik. Liefert Draghi etwa doch noch?

Laut den aktuellen Wechselkursprognosen der Oberbank wird der Euro Ende 2018 bei 1,14 Franken, um dann bis September 2019 weiter auf 1,18 Franken zu steigen. Die Commerzbank sieht den Euro bei 1,17. Die Erste Bank hat ein Kursziel für Mitte 2019 von 1,19. Es gibt mehr als ein Dutzend weiterer Banken-Prognosen, die den EUR/CHF-Kurs zwischen 1,15 und 1,20 sehen.

Sie alle stützen sich auf der Annahme, dass sich die Eurozone, anders als Japan, aus dem Nullzinssumpf befreien wird. Tatsächlich könnten die nominalen Zinsen in der Eurozone steigen. Die Zinsen, die wirklich zählen, also die Zinsen nach Abzug der Inflation (Realzinsen), haben aber kaum Spielraum nach oben. Ein Grund dafür ist die Demographie.

Mit steigenden Nominalzinsen würden die Sparer zum zweiten Mal über den Tisch gezogen. Denn der Fiskus besteuert bekanntlich die Zinsen vor Abzug der Inflation. Was Draghi angeht: Der wird liefern, nur eben nicht das, was der Euro bräuchte: Der Italiener wird seine Inflationssoße aus steigenden Energiepreisen und einen weichen Euro weiter anrühren und zum Ende seiner Amtszeit dann abschmecken.

Sollte die Inflation in Euroland dann auf 4% steigen, etwas weil der Euro-Dollar-Kurs seinem langfristigen Abwärtstrend folgt und auf die Parität purzelt, wird der EZB-Rat möglicherweise ein paar kosmetische Leitzinserhöhungen von 0,10% durchführen.

Es läuft somit darauf hinaus, dass die Inflation in den nächsten 12-24 Monaten um ein Vielfaches stärker steigen wird als die Leitzinsen. Einem erneuten Anstieg des Euro-Franken-Kurses auf 1,20 wäre jedoch eine Inflation in der Eurozone um die 1,5%, begleitet von Leitzinserhöhungen mit einer Schrittweite von 0,25-0,50%, sehr viel zuträglicher.