Zur Lage von Franken-Kreditnehmern im Juli 2018
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Zur Lage von Franken-Kreditnehmern im Juli 2018

Das Fenster zum Konvertieren öffnet sich gerade wieder. Der Euro klettert binnen anderthalb Wochen von 1,1370 auf 1,1640 Franken. Bei einem Franken-Kredit im Gegenwert von 100.000 Euro, aufgenommen zu einem Wechselkurs von 1,15, verringert sich die Rückzahlungslast von 131.926 Euro auf 128.866 Euro. Was soll man tun, wenn der Euro weiter steigt: Konvertieren oder Aussitzen?

Entscheidend ist die Restlaufzeit des Franken-Kredits: Beträgt sie fünf bis zehn Jahre ist die Aussitzen-Strategie angemessen. Aber nicht zu 100% aussitzen. Ein paar Sicherheitspuffer sollte man schon einbauen. So bietet es sich an mit der Zinsersparnis, die man gegenüber einer Euro-Finanzierung hat, jeden Monat etwas Gold kaufen.

Man kann auch noch eine Stufe weiter gehen und etwas Unkonventionelles tun: An den Finanzmärkten zahlt es sich immer wieder aus, gegen den Strom zu schwimmen. So bietet es sich an ein Short-Wette auf den Dax abzuschließen. Sollte der deutsche Aktienindex dann unter 10.000 Punkte fallen und den Euro-Franken-Kurs mit nach unten reißen, erhielte man eine Kompensation für die Kursverluste des Euros.

Sinnvoll ist es ferner monatliche Tilgungszahlungen für seinen Franken-Kredit mit seiner Bank zu vereinbaren. Weil die Fälligkeit des Kredit 2023-2028 ist, bekommt man hier einen vernünftigen Durchschnitts-Wechselkurs. Beispielsweise tilgt man den einen Monat, wenn der Euro bei 1,14 Franken ist, recht wenig, den anderen, wenn er bei 1,20 steht, dafür umso mehr.

Bei Restlaufzeiten unter fünf Jahren ist eine Konvertierung in einen Euro-Abstattungskredit angeraten. Wenn es ganz schlecht läuft, dann muss man seinen Franken-Kredit inmitten einer Rezession zurückzahlen, also zu einem Zeitpunkt, wenn der Schweizer Franken seine Muskeln spielen lässt, weil er von Anlegern wegen seinen Sicheren-Hafen-Qualitäten angesteuert wird.

Fazit:
Franken-Kreditnehmer mit fünf bis zehn Jahren Restlaufzeit können aussitzen. Sie sollten sich aber mit dem Gedanken vertraut machen, dass der Euro vorübergehend unter 1,00 Franken sinkt, bevor er sich erholt bzw. aufgebrochen wird. Im letzteren Fall wird ein österreichischer Euro natürlich deutlich stärker gegen den Franken dastehen als ein italienischer Euro.

Bei Laufzeiten unter fünf Jahren kann man aus heutiger Sicht unter Berücksichtigung aller derzeit verfügbaren Informationen mit einer Konvertierung bei einem EUR/CHF-Kurs von 1,18-1,20 nicht viel falsch machen.

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