Euro-Abschwächung: Ein Déjà-vu-Erlebnis
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Euro-Abschwächung: Ein Déjà-vu-Erlebnis

Die Eurozone geht auf Türkei-Kurs: Die Inflation wird schon bald das Wirtschaftswachstum übersteigen und dann hat man ein System à la Erdogan. Das sind ausgezeichnete Nachrichten für Börsianer. Aktien sind in der Türkei extrem gut gelaufen. Der Börsenbetreiber in Istanbul überlegt, den Leitindex einer kosmetischen Korrektur zu unterziehen. Man möchte eine Null streichen, indem man eine Verringerung von 112.000 Punkten auf 12.000 Punkte vornimmt. Zweck: Für Anleger soll es günstiger aussehen. Das Türkei-Szenario ist ein sehr Undankbares für den EUR/CHF-Kurs, als es auf den Beginn einer mehrjährigen Talfahrt wie 2007 hindeutet.

Die Türkei ist ein Land, das nach Fremdwährung lechzt. Ausländer können in der Regel mit Euro oder US-Dollar bezahlen. Denn in die heimische Landeswährung ist das Vertrauen nicht gerade groß. Warum: Die Inflation ist bei 13%. Zusammen mit dem hohen Handelsbilanzdefizit führt das dazu, dass die türkische Lira zuletzt gegen US-Dollar und Euro auf Allzeittiefs gefallen ist. Gleichzeitig kletterte der türkische Aktienindex (ISE) mit 112.830 Punkten auf ein Allzeithoch.



Eine Nummer kleiner lässt sich das fast eine zu eins auf die Eurozone übertragen. Mario Draghi hat vor einigen Jahren in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung den Deutschen nahegelegt, vom Sparbuch Abstand zu nehmen und sich stärker am Aktienmarkt zu engagieren. Steigt der Ölpreis weiter, könnte es bereits 2018 auf eine Situation in Euroland hinauslaufen, in der das Wachstum kleiner ist als die Inflation. Die EZB wird dann auf Zinserhöhungen verzichten. Sie muss an ihrer Forward Guidance (Zinsen bleiben nach Abschluss der Anleihenkäufe für lange Zeit niedrig) festhalten, damit die hohen Staatsschulden in Südeuropa nicht aus dem Ruder laufen.

Ausblick:
Der Euro wird das Ganze dann ausbaden. Er schwächt sich ab, was wiederum dazu beiträgt, dass die Aktienmärkte boomen. Insofern würde sich 🔗diese Prognose hier, die den Dax in den kommenden 12-15 Monaten auf 15.176 Punkte steigen sieht, bewahrheiten. Alsbald die Eurozone mehr Inflation als Wachstum kreiert, wird voraussichtlich eine neuer, langjähriger EUR/CHF-Zyklus anbrechen. Der Schweizer Franken lässt wieder die Muskeln spielen, es wäre ein Déjà-vu-Erlebnis des Jahres 2007. Damals begann für den Euro bei 1,68 Franken eine mehrjährige Talfahrt.

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