Wie viel Luft lässt der EUR/CHF-Kurs ab?
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Wie viel Luft lässt der EUR/CHF-Kurs ab?

Die Katar-Krise soll den Anstieg an den Aktienmärkten abgebremst und die Nachfrage nach dem Schweizer Franken herbeigeführt haben. "Da lachen ja die Hühner", sagen Markttechniker zu dieser Theorie der Börsen-Presse. Der EUR/CHF-Kurs sinkt auf den tiefsten Stand seit fünf Wochen. Aus dem Blauen (oder dem gelben Wüstensand) kommt der Rückgang nicht. Er zeichnet sich schon seit Längerem ab.

Man kann es drehen oder wenden wie man will: Der EUR/CHF-Kurs ist momentan an einem kritischen Punkt. Bei 1,0840-1,0850 ist ein Trendlinien-Support und sowie die obere Trendkanal-Linie. Bei 1,0805-1,0810 eine weitere Unterstützung. Vieles deutet darauf hin, dass der EUR/CHF-Kurs in den nächsten Wochen unter die beiden Unterstützungszonen sinkt und Richtung 1,07 abrutscht.


Das Potenzial einer dauerhaften Abschwächung des Frankens sei begrenzt, sagt die St.Galler Kantonalbank. Gemäß ihren Wechselkursprognosen (Stand: Ende Mai 2017) wird der EUR/CHF-Kurs in drei Monaten bei 1,06-1,11 Franken (Ø = 1,0850) und in zwölf Monaten bei 1,04-1,09 (Ø = 1,0650) sein. Damit ist die Kantonalbank deutlich pessimistischer als der Schweizer Brachenprimus UBS, der einen Anstieg auf 1,15 prognostiziert.

Kreis schließt sich

Italien, immer wieder Italien: Wenn es um die Schwachstelle der Eurozone geht, ist Italien stets mit von der Partie: "Vielleicht müsste Draghi mal klarstellen, ob er sich am Durchschnitt, an den Allerschwächsten oder doch nur an seinem Heimatland orientiert", fragt sich Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner.

Die Aussicht auf höhere Zinsen werde die Diskussion um die Tragbarkeit der Schulden seitens der Euroländer erneut anfachen. "Zudem kann das ungelöste Bankenproblem in Italien wieder an Aktualität gewinnen, zumal der diesjährige Banken-Stresstest der EZB die Bankbilanzen auf Zinsrisiken durchleuchtet", warnt die St.Galler Kantonalbank.

Theoretisch müsste die Schweizerische Nationalbank (SNB) italienische Staatsanleihen kaufen. Die waren ihr bisher nicht gut genug, weil die Bonität der Papiere nahe am Ramschniveau ist. Und so recycelt die SNB die im Zuge ihre Devisenmarktinterventionen aufgehäuften Euro-Bargeldbestände hauptsächlich in Staatsanleihen aus Deutschland und Frankreich.

Die Zentralbanker haben die Finanzwelt in den letzten Jahren auf den Kopf gestellt: Würde die SNB italienische Staatsanleihen kaufen, müssten sich private Anleger und Vermögensverwalter weniger Sorgen um die Schuldentragfähigkeit machen. Ferner würde die Monetarisierung von Italiens Schulden neben dem Euro nun auch den Franken verwässern.

Ein Engagement der Schweizerischen Nationalbank in Italien würde den EUR/CHF-Kurs anheben.