Teufel steckt im Detail: Euro freut sich auf März
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Der Euro ist bei Spekulanten sehr begehrt...>
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Teufel steckt im Detail: Euro freut sich auf März

Die Euro-Skeptiker sind schiefgewickelt, und so steigt der EUR/CHF-Kurs Richtung 1,07. Wegen einer irreführenden Interpretation über die Devisen-Statistiken der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hat der Euro Platz nach oben. Die SNB muss allen Anscheins nach weitaus weniger den Euro stützen als viele meinen.

Deutsche Bank und Commerzbank rechnen mit 1 Euro = 1 Franken (Parität). Beide Geldhäuser sehen die SNB mit ihren Interventionen am Devisenmarkt an ihre Grenzen stoßen. Schaut man sich die Statistiken der SNB, die Aufschluss über ihre Euro-Stützungskäufe geben, genauer an, interveniert die Notenbank kaum.

Die Sichtguthaben der Banken und des Bundes bei der SNB erhöhten sich im Januar von 530 Milliarden auf 535 Milliarden Franken. Weil diese Statistik eine Richtschnur ist, wie stark die SNB den Euro gestützt hat, ging die Börsenpresse davon aus, dass die Devisenreserven der SNB um etwa 5 Milliarden Euro angewachsen sind. Tatsächlich fielen sie aber um 1 Milliarde Franken.


Die Sichtguthaben setzen sich aus den Giroguthaben der inländischen Banken und übrigen Guthaben auf Sicht zusammen. Bei letzteren handelt es sich hauptsächlich um Guthaben staatlicher Pensionsfonds.

Um die Entwicklung der Devisenreserven abzuschätzen, sind die Giroguthaben der Banken entscheidend. Interveniert die SNB, kauft sie Banken Euros ab und schreibt den Gegenwert in Franken den Giroguthaben gut. Wer die Guthaben des Bundes miteinbezieht, arbeitet ungenau, zumal zu Jahresbeginn die kleine Säule der Sichtguthaben, unabhängig von Devisenmarktinterventionen, oft vermehrte Zuflüsse verzeichnet.

Im Januar fielen die Giroguthaben der inländischen Banken um 4,5 Milliarden Franken auf 463 Milliarden Franken. Die Devisenreserven sanken um 1,5 Milliarden auf 644 Milliarden Franken. Die 3 Milliarden Unterschied lassen sich dadurch erklären, dass der Franken gegen den US-Dollar im Januar aufgewertet hat. Wäre das nicht passiert, wären die Devisenreserven der SNB um 4,5 Milliarden Franken gefallen.

Die Börsenpresse macht im Februar nun den gleichen Fehler. Weil die gesamten Sichtguthaben der SNB von 535 Milliarden auf 548 Milliarden Franken gestiegen sind, glaubt sie zu wissen, die SNB hätte für 13 Milliarden Franken interveniert. Die Giroguthaben der inländischen Banken stiegen allerdings nur um 7 Milliarden auf 470 Milliarden Franken.

Berücksichtigt man Wertberichtigungen von Wechselkursen dürften sich die Devisenreserven der SNB im Februar um etwa 8-9 Milliarden Franken erhöht haben. Das wäre deutlich weniger als viele erwarten und könnte daher den Euro steigen lassen. Der Moment der Wahrheit ist am 7. März. Dann informiert die SNB über die Höhe ihrer Devisenreserven per Ende Februar und gibt damit dem EUR/CHF-Kurs womöglich einen Schub deutlich über 1,07.