Festhalten an Franken-Kreditverträgen macht mehr Sinn denn je
+++ Euro schließt bei 1,0774 Franken +++
Die Schweizer machen ihren Franken stark...>
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Festhalten an Franken-Kreditverträgen macht mehr Sinn denn je

Franken-Kreditnehmer wollen einen Anstieg des EUR/CHF-Kurses über 1,12. Der Euro wäre dann so viel wert und die Kreditschuld so wenig wie das letzte Mal vor dem Mindestkurs-Aus. Der Schweizer Franken wird sich nach Einschätzung von Erste Group und UBS schwach präsentieren. Wer einen Schweizer-Franken-Kredit am laufen hat, profitiert bereits bei Zinsen und Vertragskonditionen.

Ist für den Euro bei 1,10 Franken das Ende der Fahnenstange erreicht? Nein, sagt die Erste Group. Hier rechnet man mit einem dauerhaften Anstieg auf 1,12 Franken (bis Juni 2017). Damit wäre der Euro zwar genauso viel wert wie im Februar 2016. Gleichwohl stünde ein Franken-Kreditnehmer besser da. Ein Beispiel:

Franken-Kredit:
  • Ein Kreditnehmer hat sich im Jahr 2002 in Schweizer Franken verschuldet.
  • Es wurde ein Kredit im Gegenwert von 150.000 Euro (217.500 Franken) aufgenommen.
  • Damals lag der Euro-Franken-Kurs bei 1,45.

Zwar war der Euro bereits im Februar 2016 kurz 1,12 Franken wert. Die bis Juni 2017 vereinnahmte Zinsersparnis gegenüber einer Euro-Finanzierung führt dann aber dazu, dass in der Gesamtbetrachtung der Reinverlust trotz konstantem Wechselkurs kleiner wird. Bis zum Jahr 2020 würde die Zinsersparnis den Reinverlust weiter drücken.


Zinsvorteil:
  • Als Zinsaufschlag wurde eine Marge von 0,70% plus CHF 3-Monats-Libor vereinbart.
  • Es werden keine Zinsen fällig, weil der CHF 3-Monats-Libor bei -0,73% liegt.
  • -0,73% + 0,70% = -0,03%

Ginge es in der Eurozone gerecht zu, müssten Franken-Kreditnehmer mit ihrem Kredit sogar etwas verdienen, so wie es Großkonzernen schon gestattet wird. (Henkel leiht sich Geld - und verdient daran, Spiegel 06.09.16)

Bei einer Euro-Hypothekarkredit wären Zinsen fällig...
  • Als Zinsaufschlag wurde wieder ein Marge von 0,70% vereinbart, diesmal aber plus 3-Monats-Euribor.
  • Es müssen Zinsen gezahlt werden, weil der 3-Monats-Euribor bei -0,30% liegt.
  • -0,30% + 0,70% = 0,40%
  • 0,40% von 150.000 Euro = 600 Euro p. a.

Der Reinverlust ist somit dank der Zinsersparnis um etwa 1.000 Euro niedriger, und das, obwohl der Euro sowohl im Februar 2016 als auch im Juni 2017 bei 1,12 Franken steht.

Auch die größte Bank der Schweiz macht Franken-Kreditnehmern Mut. Die UBS sagt:

"Wir gehen davon aus, dass steigende Inflationsraten die EZB bewegen werden, das (Wertpapierkauf-) Programm auslaufen zu lassen. Dies wird auch der Moment sein, in dem der EURCHF-Wechselkurs wieder ansteigen dürfte."

In der Gesamtbetrachtung eines Franken-Kredites müssen ferner die gestiegenen Liegenschaftspreise positiv einfließen. Hinzu kommt eine neue EU-Richtlinie, die den Erwerb von Wohnimmobilien massiv erschwert. Die in den alten Franken-Kreditverträgen stehenden Regelungen sind im Vergleich zu künftigen Kreditverträgen ziemlich schuldnerfreundlich.

Zum Thema:
Neue EU-Richtlinien erschweren den Immobilienerwerb, finanzierung.com 02.08.16