Euro profitiert vom Spiel mit falschen Wahrnehmungen
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Euro profitiert vom Spiel mit falschen Wahrnehmungen

Der Euro steigt binnen 24 Stunden von 1,08 auf 1,09 Franken. Es ist das "Bigger Picture", was dem Euro gefällt. Der Ölpreisrückgang und schwache Konjunkturdaten aus Frankreich und Italien dämpfen die Preisentwicklung. Für die EZB ist das eine goldene Möglichkeit ihr Ankaufprogramm auf Aktien unter dem Deckmantel der Deflationsbekämpfung auszuweiten. Die Notenbanker haben das Reflexivitäts-Modell von Hedgefonds-Legende George Soros auf die Geldpolitik übertragen. Dass sie damit Finanzblasen schaffen und der Realwirtschaft einen Bärendienst erweisen, interessiert die Zauberlehrlinge herzlich wenig.

Italiens Wachstumsprognose für 2017 wird von der Unicredit mal eben von 1,2% auf 0,6% halbiert. Für das laufende Jahr rechnet man für die alte Dame der europäischen Volkswirtschaften lediglich mit 0,9% (zuvor: 1,2%). In Frankreich steigt die Zahl der Arbeitslosen auch im Sommer, während sich die Stimmung der Verbraucher eintrübt. Spanien und Italien werden bei der Arbeitsproduktivität von Deutschland und Frankreich abgehängt, zeigt eine neue KfW-Studie. Das Auseinanderdriften unter den großen Vier ist langfristig brandgefährlich für die Eurozone.

George Soros wäre wohl noch reicher als Warren Buffett, hätte er nicht so viel gespendet. Nach eigenen Aussagen ist sein Erfolg an den Finanzmärkten auf das Reflexivitäts-Modell zurückzuführen. Im Kern geht es bei diesem von Notenbankern bis zur Finanzkrise 2008 oft belächelten Ansatz darum, dass steigende Vermögenspreise die Konjunktur aufputschen. Dies führt zu der Bildung von Vermögensblasen. Irgendwann platzen die Blasen und es kommt zu einem Teufelskreis: Abstürzende Vermögenspreise von Aktien, Immobilien etc. führen zu immer schwächeren Konjunkturdaten. Die Realwirtschaft trägt einen übermäßig großen Schaden davon, weil das Ganze wie im Zeitraffer abläuft.

Die Blasenbildung. Ein Beispiel:
Firma A schreibt Verluste. Gleichwohl steigt ihr Aktienkurs, weil sie die Wahrnehmung von Anlegern mit überzogenen Gewinnerwartungen manipuliert. Wegen des hohen Aktienkurses hat Firma A Geld in der Kriegskasse, um sich die profitable Firma B einzuverleiben. Nun ist auch die Firma A profitabel. Sie hat das aber nicht geschafft, weil sie bessere Produkte herstellt, sondern nur, weil sie Anlegern eine falsche Wahrnehmung unterjubelte. Damit wurde die Branche, in der Firma A tätig ist, grundlegend gewandelt.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) spielt mit falschen Wahrnehmungen. Ein Beispiel: Das klamme Spanien zahlt weniger Zinsen auf seine zehnjährigen Staatsanleihen als die USA. Die USA haben aber einer sehr viel bessere Bonität und sind zweifelsfrei auch der bessere Schuldner. Die EZB hofft nun darauf, dass die spanische Regierung die auf falschen Wahrnehmungen beruhende Zinsersparnis nimmt, um Wirtschaftspolitik mit Weitblick zu betreiben (z. B. Identifizierung von Schlüsselindustrien und deren Anschubfinanzierung). Dann könnte etwas Gutes daraus werden. Die spanische Politik nimmt die Zinsersparnis jedoch, um mehr Arbeitslosen- und Sozialhilfe auszureichen.

Weil von Hollande, Renzi und Rajoy nichts mehr erwarten ist, weitet die EZB ihr Spiel mit den falschen Wahrnehmungen auf die Privatwirtschaft aus. Firmenanleihen werden von der Notenbank bereits gekauft. Als nächstes dürfte es dann zum Ankauf von Aktien kommen. Dies würde beispielsweise dazu führen, dass italienische Banken in der Gunst der Anleger stiegen, und dass, obwohl die Banken wegen Italiens schwachem Wachstum auch künftig mit faulen Krediten sehr gut eingedeckt sein werden.

Die EZB fühlt sich unangreifbar. Die tiefe Inflation gibt ihr die Möglichkeit immer wieder aufs Neue Zentralbankgeld zu schaffen, um damit die Wahrnehmungen der Anleger zu verzerren. Daher ist das, was gerade passiert, eine Bildung von Vermögensblasen. An einem gewissen Punkt schlägt das Pendel dennoch in die andere Richtung aus. Anleger schlussfolgern, dass die Vermögenspreise hoffnungslos überzeichnet sind. Der Auslöser für den Sinneswandel kann ein Ereignis sein, das niemand auf dem Zettel hatte (z. B. Lehman-Pleite). Die Blase platzt. Es beginnt ein Ausverkauf, der gemäß dem Reflexivitäts-Modell einen verheerenden Schaden in der Realwirtschaft anrichtet. Vermögenspreise und Konjunkturdaten sind in einem nach unten offenen Teufelskreis.