Euro kommt am Schwarzen Freitag mit blauem Auge davon
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Euro kommt am Schwarzen Freitag mit blauem Auge davon

Ist der Brexit die Spitze des Eisberges, wie der frühere Notenbankchef Alan Greenspan sagt? Oder der handelt es sich lediglich um einen kurzen Schock? Weil Großbritannien erst in zwei Jahren aus der EU austritt, ändert sich auf den ersten Blick erst einmal nichts. Was jetzt gemacht werden muss, damit der Euro von seinem Tief am Schwarzen Freitag bei 1,0620 Franken auf 1,15 Franken steigt.

"Das ist nur die Spitze des Eisberges. Die Weltwirtschaft hat große Probleme", sagt der Vorvorgänger von Fed-Chefin Janet Yellen im Gespräch mit dem Finanzsender CNBC. Wäre er noch Chef der US-Notenbank, würde er sich Sorgen machen. Die aktuelle Zeit sei die Schlimmste seitdem er öffentliche Ämter ausübe, schiebt Greenspan hinterher.

Die Wurzel des Übels sei ein scharfer Produktivitätsrückgang der Beschäftigten. Das führe zu sinkenden Einkommen. Die Regierungen müssten darauf reagieren, indem sie Sozialleistungen und Renten kürzten. Das Brexit-Votum ist aus der Sicht Greenspans dem Umstand geschuldet, dass die Realeinkommen nicht mehr so steigen wie früher.

Einige gehen inzwischen sogar soweit und sagen, dass Unternehmen wie Apple und Facebook an dem Schlamassel mit Schuld seien. Gemäß einer Studie der US-Notenbank von Dallas beschweren sich Arbeitgeber zunehmend darüber, dass Angestellte ständig auf ihre Smartphones schauten, was deren Konzentration und Produktivität senke.

"Die Schweizerische Nationalbank hat am Devisenmarkt eingegriffen, um die Situation zu stabilisieren und wird am Markt aktiv bleiben"
Mitteilung der SNB vom 24.06.16

Die Optimisten rechnen hingegen nach dem stärksten Rückgang europäischer Aktien seit 2008 mit einer raschen Erholung. Im Fokus stehen wieder einmal die Banken. Ihre Aktien wurden um 20% und mehr nach unten geprügelt. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer ihrer Billiggeld-Aktionen die Banken wieder aufpäppelt.

Der nächste über die Notenpresse finanzierte Bailout würde die Schweizerische Nationalbank (SNB) entlasten. Das am Brexit-Tag erreichte 11-Monatstief des Euros bei 1,0620 Franken wäre dann der Ausgangspunkt einer Sommerrallye. Voraussetzung: Es kommt tatsächlich zu einem Ende der Flickschusterei im Bankensektor der Eurozone.

Sollte der Brexit für die Eurozone ein Weckruf sein, die Banken schlussendlich auf ein gesundes Fundament zu stellen, könnte der Euro sogar Richtung 1,15 Franken steigen. Die hochgelobte Chefin der neuen europäischen Bankenaufsicht, Danièle Nouy, muss jetzt Farbe bekennen. Lässt sie sich von Banken CEO's, deren Aufsichtsräten und Politikern weiter einlullen oder greift sie endlich durch?