Franken-Kredite: Große Aufholjagd geht ins zweite Jahr
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Franken-Kredite: Große Aufholjagd geht ins zweite Jahr

Franken-Kreditnehmer atmen auf. Insbesondere jene, die zu der Gruppe gehören, bei denen die Rückzahlung näher rückt. In den nächsten Jahren werden in Österreich Franken-Kredite von etwa 100.000 privaten Haushalten fällig. Mit einem Eurokurs bei 1,11 Franken lässt sich die Rückzahlung einfacher stemmen, als mit dem vom Vorjahr bei 1,02. In vielen Fällen entpuppt sich ein Franken-Kredit als Glücksgriff.

Ein Bankkunde, der vor 15 Jahren einen Franken-Kredit im Gegenwert von 150.000 Euro bei einem damaligen Eurokurs von 1,50 Franken aufnahm, steht auf den ersten Blick tief unter Wasser. Trotz des jüngsten Wechselkursanstiegs muss er gut 50.000 Euro mehr zurückzahlen, als bei Kreditaufnahme einkalkuliert. Denn bei einem Eurokurs von 1,11 Franken liegt seine Kreditschuld bei 202.702 Euro.

Es sah aber auch schon einmal finsteres aus. Ende Februar 2016, als der Euro auf 1,08 Franken sank, belief sich die Kreditschuld auf 208.333 Euro. Vor einem Jahr, während der Griechenland-Krise, war 1 Euro so wenig wert wie 1,02 Franken (Kreditschuld: 220.588 Euro).

Das es auch schlechter laufen kann, zeigt ein Blick nach Polen. Dort gibt es mehr als eine halbe Million Franken-Kreditnehmer. Anders als die in Österreich müssen sie ein Stärkerwerden des Schweizer Franken (in dem Fall gegenüber der polnischen Zloty) zur Kenntnis nehmen. Wegen der unorthodoxen Wirtschaftspolitik der dortigen Regierung wertete der Franken in den letzen anderthalb Monaten um 3% auf.

Zinsersparnis/Liegenschaften

Obiger Kreditnehmer aus Österreich hat seit der Kreditaufnahme 27.000 Euro an Zinsen gegenüber einer Euro-Finanzierung gespart. Insofern steht unter dem Strich derzeit ein Verlust von 25.702 Euro.

Aber auch das ist noch zu hoch angesetzt. Legt man einen jährlichen Anstieg der Preise für Liegenschaften und Anwesen von 1% zugrunde, dann hat sich der Wert seines auf Kredit finanzierten Eigenheims von 150.000 Euro auf 174.145 Euro erhöht.

Es ergibt sich somit eine Gesamtkonstellation, in der der Wechselkursverlust von 52.702 Euro beinahe zur Gänze von dem Zinsvorteil (27.000 Euro) und einem Anstieg des Preises für Liegenschaft und Anwesen (24.145 Euro) ausgeglichen wird.

In vielen Fällen dürfte es somit in erster Linie darum gehen, wie es beim Tilgungsträger aussieht. Dort schlummert das meiste Potential. Zum einen wimmelt es in den Ansparprodukten oft von Wegelagerern, die Gebühren abzweigen. Zum anderen führt die Niedrigzinspolitik der Notenbanken dazu, dass die bei Kreditaufnahme oft versprochenen jährlichen Verzinsungen von 5-6% utopisch wurden.