EUR/CHF-Prognostiker: Affen mit Dartpfeilen sind die Besten
+++ Eurokurs aktuell bei 1,0760 Franken +++
Der Franken bleibt deutlich überbewertet ;-)
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EUR/CHF-Prognostiker: Affen mit Dartpfeilen sind die Besten

Europas größte Bank prognostiziert einen Rückfall des Euros auf 1,02 Franken. Denn die Schweiz sei mit ihren Exportüberschüssen und soliden Staatsfinanzen ein Vorzeigeland. Dass der aktuell bei 1,10 liegende EUR/CHF-Kurs ungehindert den Weg nach unten antreten wird, ist aber recht unwahrscheinlich. Denn die Schweizerische Nationalbank wird voraussichtlich nicht die Füße stillhalten. Das Geldhaus HSBC lag bereits im letzen Jahr meilenweit daneben und muss in diesem Jahr passen, wenn es darum geht, die Stärkephase des Euros zu erklären.

Die Commerzbank ist nicht die einzige Großbank, die einen sinkenden Euro-Franken-Kurs erwartet. Großbritanniens HSBC unterbietet die deutschen Devisenexperten, die mit einem Rückfall des Euros auf 1,07 Franken rechnen. "Wir sehen den Euro bei 1,02 Franken im Lauf dieses Jahres", sagt David Bloom, Chef für Devisenstrategie bei HSBC, im Gespräch mit "cash.ch". "Wenn ich mich in der Welt herumschaue, stelle ich mir die Frage: Weshalb sollte man nicht Schweizer Franken besitzen?", so Bloom.


Genau diese Frage hat der Chef der Österreichischen Nationalbank (OeNB), EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny, gerade recht anschaulich erklärt. Dass sich die Seriosität der HSBC momentan nicht von ihren Wechselkursprognosen speist, zeigt Blooms letztjährige Vorhersage. Seinerzeit hatte er prophezeit, der Euro werde auf 0,92 Franken fallen. Tatsächlich stand er Ende 2015 dann bei 1,09. Da kann man im Grunde genommen gleich einen Affen mit Dartpfeilen auf eine Wechselkurstabelle werfen lassen - die Ergebnisse sind wahrscheinlich zuverlässiger.

Zum Thema: "Sind Affen wirklich die besseren Trader?" - Die Presse, 07.05.13

Die entscheidende Schwachstelle bei der HSBC-Prognose liegt wohl darin, die Reaktion der Schweizerischen Nationalbank (SNB) nicht richtig einzuschätzen. SNB-Präsident Thomas Jordan dürfte einen Rückfall des Euro auf 1,02 Franken nicht zulassen - zumindest nicht in diesem Jahr. Die Schweizer Wirtschaft ist noch nicht über den Berg. Bezeichnend ist die Krise in der Uhrenindustrie. Im vierten Quartal 2015 wurden zum ersten Mal weltweit mehr Smart-Watches als Schweizer Uhren an die Kunden ausgeliefert. Swatch-Chef Nick Hayek beschwert sich seit Jahren darüber, dass die SNB den Franken nicht abschwächt.

Ergebnis:
Insgesamt stehen die Chance gut, dass sich die von der HSBC getroffene Wechselkursprognose nicht bewahrheitet. Denn ein Rückfall des Euros auf 1,02 Franken wird die Schweiz aller Voraussicht zu verhindern wissen. Die Commerzbank hat zuletzt ihre Jahresendprognose von 1,03 auf 1,07 angehoben. Die HSBC könnte sich zu einem ähnlichen Schritt gezwungen sehen, um nicht zwei Jahre hintereinander als einer der schlechtesten EUR/CHF-Prognostiker dazustehen.