Dunkle Gewitterwolken ziehen über dem Euro auf
+++ Eurokurs aktuell bei 1,0830 Franken +++
Eurozone kann verbleibende Zweifel nicht ausräumen...>
Home » » Dunkle Gewitterwolken ziehen über dem Euro auf

Dunkle Gewitterwolken ziehen über dem Euro auf

Der Pessimismus ist im Euro-Franken-Kurs neu verankert. Händler nutzen jeden noch so klitzekleinen Kursanstieg zum Verkauf des Euros. Das Ergebnis: Der Euro sinkt von 1,1198 Franken auf 1,0955 Franken (-2,17%). Die Euroländer haben in den letzten Jahren nichts gelernt. Banken können immer noch die Steuerzahler nach allen Regeln der Kunst erpressen. Zum zweiten Mal tappt man auch in die Falle mit den Target-Salden. Das Fieberthermometer für den Euro ist wieder am steigen.

Anleger seien jetzt auf ein Eingreifen der Zentralbanken angewiesen, um eine Rallye an den Aktienmärkten herbeizuführen, sagt Unicredit-Chef Federico Ghizzoni im Gespräch im Bloomberg. Die Unicredit-Aktie sank in den vergangenen dreieinhalb Monaten von 6,15 Euro auf 2,80 Euro (-54,47%). "Eine Zentralbank ist nicht genug, weshalb eine Koordination zwischen den wichtigen (Notenbanken) in den USA, Europa, Japan und vielleicht auch China erforderlich ist", meint Ghizzoni.

In Anbetracht solcher Aussagen des Vorsitzenden eines der größten Geldhäuser des Euroraums fühlen sich Kritiker bestätigt. Banken hätten nichts gelernt, das gelte vor allen für die italienischen. Wenn die Geldhäuser Gewinne machten, steckten sie die in die eigene Tasche. Bei Verlusten pochten sie darauf, dass sie von den Zentralbanken und den Steuerzahlern herausgehauen werden.

Weiterlesen: Ex-SNB-Chef: "Europa hat Riesenfehler bei Banken gemacht"

Er erwarte, dass die italienische Regierung ihre Anstrengungen verstärke, die Banken von faulen Krediten zu befreien, so Ghizzoni. Italiens Banken sind vom Börsencrash besonders stark betroffen, weil sie sich weigern, ihre faulen Kredite abzuschreiben bzw. verkaufen. Irische und spanische Banken haben beim Ausmisten ihrer Bilanzen hingegen sehr viel mehr Fortschritte gemacht.

Das Kalkül von Italiens Banken, den Steuerzahler und die im Endeffekt auf Kosten der Steuerzahler agierende Europäische Zentralbank (EZB) heranzuziehen, könnte am Ende wieder einmal aufgehen. Italiens Industrieproduktion ist im Dezember 2015 überraschend gesunken. Die Banken drosseln vermutlich die Kreditvergabe an die Realwirtschaft, bis ihnen der Staat die faulen Kredite abnimmt.

Auch die französische Industrieproduktion erleidet einen empfindlichen Rückschlag. In Frankreich liegt es nicht an den Banken, sondern an einer Regierung, die Unternehmen aus ideologischer Überzeugung mit hohen Ausgaben und Bürokratie belastet. Weil Frankreich und Italien schwächeln, kommen sie in puncto Wachstum nicht an Deutschland heran, dessen Binnenkonjunktur derzeit regelrecht boomt. Die Kluft wird immer größer.


Das Fieberthermometer des Euroraums, die so genannten Target-2-Salden, weiten sich seit gut einem Jahr wieder zu Gunsten Deutschlands aus. Dieser Anstieg ist ein glasklares Indiz dafür, dass die Anstrengungen der Politik, den Euroraum stabiler zu machen, gescheitert sind.

Deutschland lässt mit seinen hohen Forderungen den anderen Euroländern quasi keine Luft mehr zum atmen, ist eine Interpretation. Italien und Frankreich haben es versäumt, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Reformen zu erhöhen und verließen sich stattdessen auf das Billiggeld der Europäischen Zentralbank (EZB), ist eine andere Interpretation.